13. Mai 2008 14:02
Vor allem dank Harry Potter sind die Zeiten passé, in denen Brillenträger in der Schule Außenseiter waren. Eine Studie hat die Kindermeinung über «Brillenschlangen» untersucht.
Das Team um Jeffrey Walline hat 80 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren befragt. In diesem Alter ist bei Fehlsichtigkeit das Tragen von Kontaktlinsen noch nicht üblich. Viele Fehlsichtige erhalten zudem ihre erste Brille etwa im Alter von acht Jahren. Unter den Befragten waren 42 Mädchen und 38 Jungen, 30 Kinder waren selbst Brillenträger und von 34 Kindern trug mindestens ein Elternteil eine Brille.Die befragten Kinder mussten sich eine Serie von 24 Bildpaaren anschauen. Die Kinder auf den Bildern unterschieden sich jeweils in Geschlecht und Ethnizität, und auf jedes Bilderpaar war jeweils ein Kind mit und eines ohne Brille abgebildet. Zu jedem Bilderpaar mussten die Kinder sechs Fragen beantworten, die aus dem Design ähnlicher Studien mit Erwachsenen entlehnt wurden. So wurde gefragt, mit welchem der Abgebildeten die Kinder lieber spielen würden, welche schlauer, schüchterner, sportlicher, ehrlicher oder einfach besser ausschauen.
Zwei Drittel der Befragten waren der Meinung, dass die abgebildeten Kinder mit Brille schlauer aussähen als ihre Altersgenossen. 57 Prozent hielten die Brillenträger zudem für ehrlicher. Dabei war es unerheblich, ob die Befragten selber eine Brille trugen. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass das mediale Stereotyp des schlauen Brillenträgers bereits bei Kindern wirke, sagt Studienautor Walline. Bei den anderen vier Fragen habe die Brille dagegen keine Rolle gespielt, ergänzt Walline. Wie in anderen Umfragen auch, seien von den Befragten meist die Jungen als sportlicher betrachtet worden. Jungen wählten eher Jungen und Mädchen eher Mädchen, wenn es um die Frage nach den Spielkameraden ging. Sowohl Mädchen als auch Jungen hielten das jeweils andere Geschlecht für schüchterner. Mädchen sahen zudem eher Mädchen als ehrlicher an.
Das Ergebnis zeige, dass Kinder andere Kinder mit Brille nicht automatisch als weniger attraktiv betrachten, resümiert Walline. Die Sorgen um die Attraktivität scheine sich bei Kindern mit Brille vor allem nach innen zu richten. Die Brille bei anderen Kindern erscheine da relativ egal. (nz)