03.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ethikpille oder Neuro-Enhancer?
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
Sind denn nun Hundehalter seltener allergisch auf Katzen? Wie die Opfer von Amstetten behandelt werden sollten und was Gedankenlesen mit einer Tankuhr gemeinsam hat, verlinkt das Wochenendwissen .
Internet und Wissenschaft sind nicht zuletzt seit der Erfindung des World Wide Web untrennbar miteinander verbunden. Ursprünglich entwickelt, um Forschungsergebnisse auszutauschen, hat sich das WWW in den vergangenen 15 Jahren zu einem universellen Informations- und Kommunikationsmedium entwickelt.
Viele wissenschaftlichen Publikationen erscheinen inzwischen zuerst Online und sind gar frei über Open Access Journale einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich längst werden die Artikel auch in deutschsprachigen Blogs aufgegriffen und besprochen. Wissenschaftsblogs haben sich vom Hobby zu einem ernstzunehmenden alternativen Diskursmedium entwickelt, Forschungsprozesse werden offen gelegt und es wird leidenschaftlich über Qualitätsstandards diskutiert.Das Wochenendwissen will die Netzeitungsleser in loser Folge darauf hinweisen und so einige Themen, die sonst nur über Nachrichtenagenturen laufen oder gar nicht den Weg in die breitere Öffentlichkeit finden würden, in den in der Blogosphäre stattfindenden Widerhall einbetten.
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Vor einigen Wochen veröffentlichte die Fachzeitschrift
Nature die
Ergebnisse einer Umfrage unter ihren Lesern über den Einsatz von Psychopharmaka zur Steigerung von Konzentration und Gedächtnis. Eine Reihe von Medien (auch
hier war davon zu lesen) griff das Thema auf, denn
dopende Wissenschaftler passen gut in das Bild von der harten Leistungsgesellschaft.
Stefan Schleim vom Blog
Menschenbilder waren dann doch einige Berichte zu undifferenziert. Es folgte:
eine Medienschelte. Der
Wild Dueck will dagegen
Ethikpillen ausgeben,
fragt sich, ob man demnächst noch ein überdurchschnittliches Masterexamen ohne Neuro-Enhancer überstehen könne, und vermutet schließlich, dass es keinen Markt für Ethikpillen geben werde.
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Der Fall Amstetten ist beispiellos, macht sprachlos und die Berichterstattung windet sich zwischen
Sensationsschau und schnellen Experteninterviews.
Neurons denkt über eine «seriöse Berichterstattung im Sinne der Opfer» nach, und Mathias Wölfelschneider von
psyconstruction unternimmt den
Versuch, mögliche
Therapieansätze für Missbrauchsopfer aufzuzeigen.
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Ein Hund im Haus könne Kleinkinder vor Allergien schützen, meldeten am Dienstag verschiedene Onlinedienste und nahmen Bezug auf eine
Langzeitstudie des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg und anderer Einrichtungen. Das Team um Joachim Heinrich hatte rund 3100 Kinder im Alter von sechs Jahren mit Allergenen gestestet und die Eltern nach allergischen Reaktionen sowie den Besitz eines Hundes befragt.
Die Kinder, die mit einem Hund aufwachsen, waren der
statistischen Auswertung nach weniger anfällig für gängige Allergene. Warum das so ist, konnten die Wissenschaftler allerdings nicht sagen.
Der Quantenmechaniker macht sich
Gedanken über die Interpretation der Studie und fragt: «Sind Hundehalter seltener gegen Katzen allergisch als der Durchschnitt?»
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Ende März titelte der Spiegel «Der Memory Code Forscher entziffern die Sprache unseres Gehirns». Die derzeit allgegenwärtigen Neurowissenschaften sind sexy, denn endlich werden Seele, Gedanken und Bewusstsein eine Messgröße. «Halt» ruft es von der anderen Seite der Neuroforschung, denn Neurowissenschaftler messen nicht Gedanken, sondern «im besten Falle», (und das auch nur mittelbar) die Hirnaktivität.
Mit
funktioneller Resonanztomographie(fMRT) Hirnaktivität erschöpfend messen zu wollen, sei «wie einzig an der
Tankuhr ablesen zu wollen, wohin uns die Reise im Auto führt»,
schreibt Vinzenz Schönfelder in seinem Blog. Habe das Auto nur zwei Ziele zur Auswahl, so wie in bisherigen fMRT-Versuchen zum «Gedankenlesen», gebe es eine mehr als 50prozentige Trefferquote, um zu sagen ob die Reise in die Berge oder ans Meer gehe. «Aber daraus zu schließen, die Tankuhr wäre das adäquate Mittel, um das Ziel der Route zu bestimmen ist
Unsinn denn Sie ignorieren eine Vielzahl anderer wichtiger Faktoren.»
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Und sonst...
Für das Web ediert von Daniel Kählert