Diskussion um Lebensmittelpreise: 

netzeitung.deVerbraucherministerium will höhere Milchpreise

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Sie spenden das begehrte weiße Getränke: Milchkühe (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sie spenden das begehrte weiße Getränke: Milchkühe
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Die Bauernverbände haben unverhofft Unterstützung von Regierungsseite erhalten. Aus dem Ministerium ertönt der Ruf nach «kostendeckenden Preisen» für Milch. Auch das Bundeskartellamt wird aktiv.

Das Bundesverbraucherministerium hat Supermarktketten aufgefordert, die drastische Preissenkung zurückzunehmen. «Wir brauchen kostendeckende Preise», sagte Staatssekretär Gerd Müller am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Ähnlich äußerte sich der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU).

Müller sagte, es sei unverständlich, dass die Handelskonzerne ihre Preise um 20 Cent nach unten gedrückt hätten. Sie hätten sich in einer konzertierten Aktion offenbar abgesprochen, die Molkereien unter Druck zu setzen. Diese führten die Preisgespräche mit dem Handel. «Wenn die Molkereien sich einig wären, würden sie auch einen höheren Preis beim Handel durchsetzen. Die Verbraucher akzeptieren dies», erklärte der CSU-Politiker.

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Helmut Born, wies auf den Druck hin, dem die Molkereien ausgesetzt seien. Die Lebensmittelketten Aldi, Lidl, Edeka und Rewe, die die Preise für Milch und Milchprodukte Anfang der Woche bis zu 18 Prozent gesenkt hatten, hätten einen Marktanteil von fast 90 Prozent, sagte Born dem Fernsehsender N24. Auf n-tv erklärte er, die Freude für den Verbraucher sei nur kurzfristig. «Langfristig aber muss er wissen: Zu diesen Preisen kann am Standort Deutschland niemand Milch erzeugen», sagte Born.

EU-Milch nicht konkurrenzfähig
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) forderte die Anpassung der Milchproduktion an die Nachfrage, damit langfristig kostendeckend gearbeitet werden könne. Dass in der EU hergestellte Milch auf dem Weltmarkt abgesetzt werden könne, sei unrealistisch, sagte Kurt Kootz vom BDM-Landesvorstand Rheinland-Pfalz. Das Preisniveau sei viel zu niedrig, Milch aus der EU und insbesondere aus Deutschland sei hier nicht konkurrenzfähig.

Der kostendeckende Grundpreis pro Liter Milch müsste BDM-Berechnungen zufolge bei etwa 43 Cent liegen, sagte Kootz; im Jahr 2007 seien im Jahresdurchschnitt 33,1 Cent pro Liter gezahlt worden. Folge sei langfristig, dass immer mehr Milcherzeuger ausschieden. Irgendwann könne womöglich die Nachfrage in Deutschland nicht mehr gestillt werden.

Auch Beckstein unterstützt Milchbauern
«Die Landwirtschaft braucht anständige Preise, um existieren zu können», sagte der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein dem «Münchner Merkur». Die Preisdrückerei der Handelskonzerne gefährde die Existenz der Milchbauern. «Es ist nicht akzeptabel, wenn Landwirte trotz gestiegener Futtermittelkosten sinkende Milchpreise hinnehmen sollen», erklärte der CSU-Politiker.

Der Preissturz für Milch und Milchprodukte sorgt seit mehreren Tagen für Zündstoff. Ausgelöst wurde er vom Discounter Aldi, doch zogen die Konkurrenten Lidl, Edeka und Rewe nach. Das Bundeskartellamt prüft, ob ein Verfahren wegen Preisabsprachen eingeleitet werden muss. (AP)