Währungshüter in Sorge:
Euro setzt Höhenflug ungebremst fort
22. Apr 2008 17:39
 |  Der Euro erreicht ein neues Rekordhoch | Foto: dpa |
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Die europäische Gemeinschaftswährung kostet so viel wie noch nie seit der Einführung. Ein Devisenexperte führte die Ursache für den Anstieg des Wechselkurses auf ein Phänomen in den USA zurück.
Der Euro ist am Dienstag erstmals seit seiner Einführung an den Finanzmärkten über die Marke von 1,60 Dollar gestiegen. Am späten Nachmittag kletterte die europäische Gemeinschaftswährung bis auf 1,6002 Dollar, nachdem sie am Morgen noch deutlich unter 1,59 Dollar notierte.
Zuletzt fiel der Euro indes wieder etwas zurück und kostete noch 1,5970 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag noch auf 1,5931 (Montag: 1,5898) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete 0,6277 (0,6290) Euro.«Der Euro ist heute neben erneut enttäuschenden Konjunkturdaten vom amerikanischen Immobilienmarkt vor allem von Aussagen ranghoher Vertreter der EZB beflügelt worden», sagte Devisenexperte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. So deuteten jüngste Äußerungen von Bundesbankpräsident Axel Weber und Frankreichs Notenbankchef Christian Noyer darauf hin, dass schnelle Zinssenkungen der Währungshüter trotz getrübter Konjunkturaussichten endgültig vom Tisch sein dürften. Grund sei die anhaltend hohe Inflation im Euroraum, die im März auf einen Rekordwert von 3,6 Prozent gestiegen war.
«In den letzten Tagen orientierungslos»
«In den letzten Tagen hat sich der Euro jedoch etwas orientierungslos gezeigt», ergänzte Sartoris. So habe die Marke von 1,60 Dollar zwar regelmäßig eine hohe Anziehungskraft ausgestrahlt, wie die mehrfachen Anläufe der Gemeinschaftswährung auf die Marke gezeigt hätten. Auf der anderen Seite seien die Investoren offensichtlich kurz vor dem Erreichen der Grenze immer wieder zurückgeschreckt und hätten zu Gewinnmitnahmen geneigt. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,79980 (0,80070) britische Pfund, 164,43 (164,43) japanische Yen und auf 1,6065 (1,6059) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London mit 918,00 (918,50) Dollar gefixt.
Manager befürchten Wettbewerbsnachteile
Unterdessen haben deutsche Spitzenmanager zunehmend die Befürchtung, der starke Euro werde zu Wettbewerbsnachteilen für die heimische Wirtschaft führen. Bei einer Umfrage des Psephos-Instituts unter knapp 800 Topmanagern im Auftrag des «Handelsblatts» und der Unternehmensberatung Droege & Comp sahen 40 Prozent der Befragten negative Auswirkungen für das eigene Geschäft, darunter ein Drittel «deutliche». Ebenfalls 40 Prozent gaben an, sie sähen keine Auswirkungen der Dollar-Schwäche für ihr Geschäft. Besonders große und mittelgroße Unternehmen aus den exportstarken Sparten wie Chemie, Metall- und Elektroindustrie sowie der Fahrzeug- und Maschinenbau hätten von merklich ungünstigen Effekten gesprochen, heißt es in dem Bericht. (dpa/AP)