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Experte zum Nahrungsmittelmangel: 

«Schade, dass es immer erst eine Krise braucht»

22. Apr 2008 10:52
Das Wassermanagement müsste sich verbessern.
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Das Problem mit dem Reis ist lange bekannt, die Lösung dafür eigentlich auch. Nur an der Umsetzung hapert es noch, erläutert der Direktor des Internationalen Reisforschungsinstituts.

Die heutige Reiskrise hat das Internationale Reisforschungsinstitut (IRRI) auf den Philippinen schon vor zehn Jahren heraufziehen sehen. «Schade, dass es immer erst eine Krise braucht, um die Leute wachzurütteln», sagt IRRI-Forschungsdirektor Achim Dobermann. Dank der Grundlagenforschung des Instituts liege die Lösung des Problems aber eigentlich schon fast fertig in der Schublade, sagte der in Leipzig ausgebildete Fachmann für Bodenkunde und Pflanzenbau.

«Ich bin überzeugt, dass wir das Potenzial haben, auf der Welt genügend Nahrung umweltgerecht zu produzieren», so der Experte. Das Institut setzt auch auf neue Geldgeber: die Gates-Stfitung des Microsoft-Gründers etwa, die bereits ein Großprojekt finanziert.

«Kurzfristig müssen vor allem die Anbaumethoden verbessert werden», meint Dobermann. Er nennt unter anderem effizientere Düngung, besseres Wassermanagement und einen besseren Kampf gegen Schädlinge. «20 Prozent der Ernten gehen bei Transport und Lagerung verloren», sagte er. Das Institut habe vielversprechende Pilotprojekte in zwölf Ländern laufen. Die Herausforderung sei, die neuen Methoden von ein paar Tausend auf Millionen Hektar Anbaufläche zu übertragen. «In den meisten Anbaugebieten wären mit besseren Methoden ein bis zwei Tonnen Reis pro Hektar mehr rauszuholen», sagte der Fachmann. «Das würde genügend Reis für die nächsten 15 bis 20 Jahre bringen.»

Bessere Sorten nötig

Da es praktisch keinen Platz für neue Anbauflächen gibt, seien längerfristig bessere Sorten nötig, solche, die höheren Temperaturen standhalten, die weniger Bewässerung brauchen, und die resistent für Schädlinge sind. Das IRRI habe beispielsweise ein Gen gefunden «das den Reis wasserdicht macht», wie Dobermann sagt. Damit können Pflanzen Überschwemmungen überleben.

Ein weiteres vielversprechendes Gen ist das für Salztoleranz. «Ungeheuer wichtig für Küstengebiete wie in Bangladesch, die immer wieder überschwemmt werden.» Diese Gene müssten nun in weit verbreitete Sorten übertragen werden. «Das ist wie ein Software-Upgrade», sagt Dobermann. Mit Genmanipulation habe das nichts zu tun. Die Resistenzgene kämen in bestimmten Reissorten vor, und könnten durch Kreuzungen auch in andere hineingezüchtet werden. «Wir beschleunigen nur die Natur» mit der Gen-Übertragung.

Folgen des Klimawandels für Reisanbau unklar

Nach Angaben von Dobermann liegt der durchschnittliche Ertrag heute bei 4,1 Tonnen Reis pro Hektar. Wenn das bis 2050 auf 6,5 bis 7 Tonnen erhöht werden könne und die Bevölkerung dann nicht weiter wachse, müsse das ausreichen. «Das ist machbar», sagt Dobermann. Mindestens ein unkalkuliertes Risiko gibt es allerdings noch: den Klimawandel. «Es ist noch unklar, wie genau die Folgen für den Reisanbau sind», sagt Dobermann. «In einer unserer Studien haben wir gesehen, dass ein Temperaturanstieg um ein Grad Celsius zehn Prozent weniger Ertrag brachte. Aber dazu liegen noch nicht genügend Daten vor.» (dpa)

 
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