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Treffen in Washington: 

G7 verlangen Transparenz der Finanzmärkte

12. Apr 2008 10:34, ergänzt 10:37
Die Notenbankchefs der G7 in Washington. Dritter von links: Bundesbankpräsident Weber
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Die Notenbankchefs und Finanzminister der wichtigsten Industrienationen sind entschlossen, Fehlentwicklungen in der Geldwirtschaft zu korrigieren. Banken und Ratingagenturen sollen zur Offenheit gezwungen werden.

Die sieben wichtigsten Industrienationen (G7) haben am Freitag in Washington als Antwort auf die massive Finanzmarktkrise ein gemeinsames Maßnahmenpaket vereinbart. Ziel ist unter anderem eine bessere Transparenz des Finanzsektors und der Ratingagenturen. Zudem soll das Liquiditäts- und Risikomanagement gestärkt werden. Das erklärten die G7-Finanzminister und -Notenbankchefs nach ihrem Treffen in Washington. Damit solle die Widerstandsfähigkeit des globalen Finanzsystems auf lange Sicht gestärkt, Vertrauen zurückgewonnen und das Funktionieren der Märkte verbessert werden, hieß es. Der Beschluss sei «konkret, einheitlich und zeitnah», betonte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück.

Bundesbankpräsident Axel Weber bezifferte den Umfang der Abschreibungen und Wertberichtigungen der 47 großen, international operierenden Banken als Folge der Finanzmarktkrise im vergangenen Jahr sowie im ersten Quartal 2008 mit insgesamt rund 225 Milliarden US-Dollar (rund 142 Milliarden Euro). Seinen Angaben zufolge entfallen davon auf Deutschland rund 30 Milliarden US-Dollar. Weber sagte, es gebe positive Signale, dass die Bemühungen zur Stabilisierung der US-Konjunktur infolge der Krise auf dem Immobilienmarkt Erfolg hätten. Er gehe davon aus, dass die Leitzinssenkungen in den USA in der zweiten Jahreshälfte einen stabilisierenden Effekt hätten, sagte Weber.

Beunruhigt äußerten sich die G7-Teilnehmer über die jüngste Entwicklung der Wechselkurse. Es habe in den vergangenen Monaten «bisweilen starke Schwankungen bei den wichtigsten Währungen gegeben, was wir mit Blick auf mögliche Folgen für die Finanz- und Wirtschaftsstabilität mit Sorge betrachten», hieß es. China wurde aufgefordert, seine Währung schneller aufzuwerten.

Offenlegung von Risiken und Abschreibungen

Die kurzfristigen Schritte des Maßnahmenpakets sollen binnen 100 Tagen umgesetzt werden, die mittelfristigen bis zum Ende des Jahres. Auf kurze Sicht fordern die G7 von Banken unter anderem die vollständige Offenlegung von Risiken und Abschreibungen. Finanzhäuser sollten zudem ihr Risikomanagement verbessern und falls nötig ihre Kapitalbasis stärken, erklärten die Minister und Notenbankchefs am Vorabend der gemeinsamen Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank am Wochenende.

Bis zum Jahresende wird überdies angestrebt, dass Ratingagenturen strukturierte Anlageprodukte differenzierter bewerten und ihre Methoden deutlich machen. Auch soll die Zusammenarbeit von Aufsichtsbehörden und Zentralbanken enger werden, um Risiken für die Finanzmarktstabilität schneller zu erkennen. Notenbanken sollten zudem in der Lage sein, drohende Bankenzusammenbrüchen aufzufangen.

Die Krise ist tiefer als angenommen

Die Turbulenzen in den globalen Finanzmärkten seien noch immer nicht ausgestanden und dauerten länger, als zunächst angenommen, heißt es in der G7-Erklärung weiter. Die angestrebten Maßnahmen fußen auf dem Abschlussbericht des von den Industrienationen getragenen Forums für Finanzstabilität, das die Staatengruppe im vergangenen Herbst in Auftrag gegeben hatte, um die Ursachen der Finanzmarktkrise und Schwächen im Finanzsystem zu ermitteln.

Bundesfinanzminister Steinbrück zeigte sich bei dem Treffen optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft den konjunkturellen Abschwung in den USA gut meistern wird. Es gebe keinen Grund für ein Gefühl von drohendem Unheil, sagte er am Freitag. Die deutsche Konjunktur sei in einem guten Zustand. Er sehe auch keinen Anlass, seine Prognose eines Wirtschaftswachstums von 1,7 Prozent in diesem Jahr zu ändern, betonte der SPD-Politiker.(dpa/AP)

 
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