Dramatische Experten-Schätzung:
IWF rechnet mit einer Billion Dollar Verlust
08. Apr 2008 15:45, ergänzt 20:06
 |  Logo des "International Monetary Fund" | Foto: AP |
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Weltweit erwartet der Internationale Währungsfond Verluste in Höhe von fast einer Billion Dollar durch die internationale Finanzkrise. Der Grund dafür sei «kollektives Versagen» von Banken und Finanzinstitutionen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet durch die anhaltende Finanzmarktkrise weltweit Verluste von fast einer Billion US-Dollar. Erstmals legte die Organisation damit eine offizielle Schätzung über die möglichen Auswirkungen der seit Monaten anhaltenden Kreditkrise vor. Der IWF sprach von «kollektivem Versagen» einer ganzen Reihe von Finanzinstitutionen. Allein durch fallende US-Immobilienpreise und Hypothekenausfälle seien 565 Milliarden Dollar (362 Mrd Euro) Verluste zu erwarten, schätzt der IWF in seinem am Dienstag in Washington veröffentlichten Bericht zur Stabilität der weltweiten Finanzmärkte.
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Würden mit Geschäftsimmobilien verbundene US-Wertpapiere sowie Kredite für Verbraucher und Firmen hinzugezählt, könnte sich eine Summe von 945 Milliarden Dollar (603 Mrd Euro) ergeben. Das Bundesfinanzministerium wollte trotz der enorm hohen Verlustschätzung von keiner neuen Dimension reden. Die IWF-Zahlen hätten die bisherige qualitative Einschätzung des Problems nicht verändert, sagte Finanzstaatssekretär Thomas Mirow.
Aufsicht sollte vereinheitlicht werden
Der Währungsfonds empfahl unter anderem, die Aufsicht über den Finanzbereich stärker zu vereinheitlichen. «Die gegenwärtigen Turbulenzen sind mehr als nur ein Liquiditätsproblem. Sie legen tiefliegende Schwächen in den Bilanzen und dünne Kapitaldecken offen», befindet der Bericht. Der Fonds warnt vor dem Risiko «einer ernsthaften Finanzierungs- und Vertrauenskrise, die droht, sich über eine erhebliche Periode hinweg fortzusetzen». Berichten zufolge erwartet der IWF, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession rutscht. Laut dem Entwurf für die Frühjahrstagung wurde die bisherige Wachstumserwartung
für dieses Jahr dem Blatt zufolge dramatisch von eineinhalb auf nur noch ein halbes Prozent herabgesetzt.
Auch für Deutschland korrigierte der IWF seine Prognose von 1,5 auf 1,2 Prozent.
Thema bei der Frühjahrstagung am Wochenende
Die Finanzmarktkrise und die Lage der Weltwirtschaft ist Schwerpunktthema bei der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des G7-Finanzminister-Treffens an diesem Wochenende in Washington. Die Zahlen des IWF gehen weit über das hinaus, was an tatsächlichen Verlusten und entsprechenden Prognosen bekannt ist. Ökonomen hatten im Februar vorausgesagt, dass sich der mögliche Schaden auf bis zu 600 Milliarden Dollar summieren könnte.Finanzstaatssekretär Mirow sagte, er sei sehr zuversichtlich, dass es eine «sehr überzeugende, substanzielle, gemeinsame Antwort der G7» geben werde. Es gebe ein hohes Maß an Übereinkommen und vernünftige Vorschläge, die möglichst schnell umgesetzt werden sollten. Zudem müssten auch die Regierungen auf die jeweils spezifische Lage in ihrem Land reagieren.
400 Tonnen Gold sollen verkauft werden
Auf der Frühjahrstagung sollen auch die Pläne des IWF für den Verkauf von mehr als 400 Tonnen Gold sowie Ausgabenkürzungen gebilligt werden. Damit will die internationale Organisation ihre Finanzprobleme in den Griff bekommen. Das Gold habe einen Wert von derzeit elf Milliarden Dollar (7 Mrd Euro), hieß es. Aus dem Verkauf wird ein Gewinn von rund sechs Milliarden Dollar erwartet.IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn sagte, der Fonds werde mit dem Sanierungsplan auf eine solide finanzielle Basis gestellt. Die Ausgaben sollen um jährlich 100 Millionen Dollar gekürzt werden. Mirow begrüßte die Einsparungen und sprach von einem «sehr ausgewogenes Paket». Er rechne mit mehrheitlicher Zustimmung. Nötig sind 85 Prozent der Mitgliederstimmen. Vor allem muss der US-Kongress zustimmen, ehe die USA als größter IWF-Eigner den Verkauf mittragen.
Erneut Finanzspritze der US-Notenbank
Unterdessen pumpte die US-Notenbank am Dienstag erneut Milliarden in den Finanzmarkt. Bei der Auktion, der mittlerweile neunten seit Dezember, können Banken für einen Teil der insgesamt offerierten 50 Milliarden Dollar (32 Milliarden Euro) bieten, wie die Federal Reserve mitteilte. Für diese Auktion zahlen die Banken einen Zinssatz von 2,820 Prozent. Seit Dezember hat die Federal Reserve damit insgesamt 310 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. (nz/dpa/AP)