Teuerungsrate in Eurozone:
Eurogruppe warnt vor Inflationsspirale
04. Apr 2008 17:53
 |  EZB-Chef Trichet, Juncker, Almunia: Inflationssorgen | Foto: AP |
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Die Finanzminister aus den Ländern der Währungsunion warnen die Arbeitnehmer vor überzogenen Lohnabschlüssen. Der Abschluss im deutschen öffentlichen Dienst ist ihrer Meinung nach kein Vorbild, sondern ein Sonderfall.
Angesichts steigender Energie- und Lebensmittelpreise warnt die Eurogruppe vor einer Inflationsspirale. Zudem hieß es im slowenischen Brdo pri Kranju, bei den Turbulenzen auf den Finanzmärkten sei noch kein Ende in Sicht.
EU-Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia erklärte am Freitag nach Beratungen mit den Finanzministern der 15 Staaten der Währungsunion, die Teuerungsrate in der Eurozone werde in diesem Jahr vermutlich über den bislang prognostizierten 2,6 Prozent liegen.
Teuerungsrekord im März
Die Teuerung in der Eurozone hat im März nach vorläufigen Schätzungen einen Rekordstand von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat erreicht. Der Spanier Almunia warnte indes, die Sozialpartner dürften auf die steigenden Lebenshaltungskosten nicht mit überzogenen Lohnabschlüssen reagieren. Sonst bestehe «das Risiko nachgelagerter Effekte, die zu einer Inflationsspirale beitragen können».Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hat für Samstag zu einer Demonstration in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana aufgerufen, nur rund 25 Kilometer vom Tagungsort der Finanzminister in der Ortschaft Brdo pri Kranju entfernt.
Juncker: Inflation muss auch Gewerkschaften kümmern
Der Vorsitzende der Eurogruppe, der luxemburgische Ministerpräsident und Finanzminister Jean-Claude Juncker, erklärte dazu: «Die Inflation ist ein Problem, das auch die Gewerkschaften kümmern muss.»Schließlich treffe die Teuerung Geringverdiener am stärksten, argumentierte der luxemburgische Regierungschef. Wenn sich die Eurogruppe gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) für Preisstabilität einsetze, sei dies «ein Kampf für die soziale Sache».
Deutsche Abschlüsse im öffentlichen Dienst kein Vorbild
Juncker betonte, er erwarte von den Sozialpartnern keineswegs Nullrunden, «aber Lohnabschlüsse, die Rücksicht auf die Produktionsentwicklung nehmen». EZB-Präsident Jean-Claude Trichet warnte, die in Deutschland vereinbarten Gehaltssteigerungen im öffentlichen Dienst seien kein Vorbild für andere Staaten. Die Bundesrepublik sei ein Sonderfall, weil die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes dort in den Vorjahren auf Gehaltssteigerungen komplett verzichtet hätten, sagte Trichet. «Länder, die nachahmen wollen, was in Deutschland gemacht worden ist, sind auf dem falschen Weg.»
Steinbrück: Lage auf Finanzmärkten bleibt ernst
Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück erklärte, die Lage auf den internationalen Finanzmärkten sei «unverändert sehr ernst». Er fügte hinzu: »Das wird uns das ganze Jahr 2008 beschäftigen.» Am Abend wollten die Minister aller 27 EU-Staaten angesichts der milliardenschweren Belastungen auch deutscher Banken durch die internationale Finanzkrise am Freitagnachmittag eine engere Kooperation ihrer Bankenaufsichten beschließen. Geplant sei die Einrichtung von «Stabilitätsgruppen» für jedes Finanzinstitut, das in der EU grenzüberschreitende Geschäfte tätige, erklärte Steinbrücks Finanzmarkt-Experte Jörn Asmussen.
Europäische Finanzaufsicht nicht «holterdipolter»
In diesen Gruppen sollen Spitzenvertreter aus allen betroffenen EU-Staaten zusammenkommen, um sich gegenseitig über mögliche Risiken und die notwendigen Konsequenzen auszutauschen. Für die Zukunft schloss Steinbrück auch die Schaffung einer europäischen Finanzaufsicht nicht aus. Dies könne aber «nicht einfach so holterdipolter» geschehen, so der SPD-Politiker. (AP)