Prognose des Instituts für Weltwirtschaft:
Aufschwung in Deutschland lässt nach
13. Mrz 2008 12:15
 |  Die real verfügbaren Einkommen sollen zunehmen | Foto: AP |
|
Der Euro wird immer stärker, die Weltkonjunktur trübt sich ein: Das belastet zusehends die Konjunktur in Deutschland. Was die Arbeitslosigkeit anbelangt sind die Kieler Wirtschaftsforscher dennoch zuversichtlich.
Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet für das kommende Jahr mit deutlich weniger Wachstum. In der am Donnerstag in Kiel veröffentlichten Prognose gehen die Forscher weiterhin von 1,9 Prozent Zuwachs in diesem Jahr aus. Für 2009 reduzieren sie ihre Vorhersage aber von 1,6 auf 1,2 Prozent.
Als Ursachen nennt das IfW die nachlassenden Impulse aus dem Ausland wegen der Eintrübung der Weltkonjunktur und die Aufwertung des Euro. Der private Konsum soll dagegen zunehmen, ebenso die real verfügbaren Einkommen. Die Arbeitslosigkeit geht nach Ansicht des IfW im nächsten Jahr auf drei Millionen zurück.Auch im Euroraum werde das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr geringer ausfallen, so die Prognose. Die Experten rechnen für das Jahr 2009 nur noch mit einem Anstieg des BIP von 1,5 Prozent nach 2,0 Prozent im Jahr 2008. Für die USA erwarten sie in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent. Im Jahr 2009 werde sich die amerikanische Wirtschaft voraussichtlich aber erholen und um 2,0 Prozent wachsen.
«Die Finanzkrise wird die Realwirtschaft in den Industrieländern noch geraume Zeit belasten» heißt es. Darüber hinaus sei das Risiko, dass die USA in eine Rezession rutsche «beträchtlich». Positiv bewerten die Experten «die starken internen Antriebskräfte» in den Industrieländern und «die ungebrochene Wachstumsdynamik in den Schwellenländern». Zwar dürfte die weltwirtschaftliche Expansion in diesem und im nächsten Jahr deutlich hinter den Zuwachsraten der Vorjahre zurückbleiben. Ein Einbruch der globalen wirtschaftlichen Aktivität werde jedoch nicht erwartet.
EZB fordert maßvolle Tarifabschlüsse
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unterdessen aus Sorge über die hohe Inflation Gewerkschaften und Arbeitnehmer zu maßvollen Tarifabschlüssen aufgerufen. «Die Phase relativ hoher Teuerungsraten wird länger andauern als noch vor einigen Monaten angenommen», schreibt die Notenbank in ihrem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichtem Monatsbericht.
Die EZB werde alles tun, um die Preisstabilität zu wahren. Dieses Ziel sieht die Notenbank bei Inflationsraten knapp unter zwei Prozent erreicht. Wegen der hohen Energie- und Lebensmittelpreise erwartet die EZB in diesem Jahr eine Teuerung im Euro-Raum von rund 2,9 Prozent, also weit über dieser Marke.Die Notenbank appellierte an Arbeitgeber und Gewerkschaften, «ihrer Verantwortung gerecht zu werden» und keine überhöhten Lohnabschlüsse zu vereinbaren, die die Teuerung weiter anheizen würden. «Der EZB-Rat ist besorgt über Lohnregelungen, bei denen die Nominallöhne an die Verbraucherpreise gebunden sind». Das könnte zu Preisschocks und einer Spirale aus steigenden Löhnen und steigenden Preisen führen, kritisierten die Währungshüter.
Kein Spielraum für Zinssenkungen
Wegen der hohen Inflation sehen die Notenbanker keinen Spielraum für die von Gewerkschaften und einigen europäischen Politikern geforderten Zinssenkungen. Vor einer Woche hatte die EZB den Leitzins unverändert bei 4,0 Prozent gelassen und keine Hinweise auf künftige Zinssenkungen gegeben. Als Risiken für die Konjunktur sieht die EZB die hohen Ölpreise und den Rekordkurs des Euro, der die Exportchancen der europäischen Wirtschaft mindert. Wegen der anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten seien die Aussichten für das Wirtschaftswachstum sehr unsicher, doch bislang seien die Daten aus dem Euroraum robust. (dpa)