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Maßnahmen gegen die Finanzkrise: 

Geldspritzen stärken Vertrauen noch lange nicht

12. Mrz 2008 15:02
Symbol der US-Finanzwelt: die Wall Street
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Die Börsen haben mit Jubel auf die erneute konzertierte Aktion von Notenbanken reagiert, die Finanzmärkte mit frischem Geld zu versorgen. Doch die Finanzkrise ist damit noch lange nicht vom Tisch, analysiert Matthias Breitinger.

Die Finanzkrise ist noch lange nicht ausgestanden – und womöglich größer als bisher gedacht. So lässt sich jedenfalls die Ankündigung mehrerer Notenbanken deuten, den Finanzmärkten Milliarden zuzuführen. Die US-Notenbank will von Ende März an bis zu 200 Milliarden Dollar bereitstellen, die Europäische Zentralbank hat eine Finanzspritze von bis zu 15 Milliarden Dollar angekündigt.

Natürlich, wie nicht anders zu erwarten reagierten die Börsianer euphorisch, die Kurse an den Aktienmärkten sprangen deutlich nach oben. Das war auch schon vor einigen Monaten so, als die Notenbanken die Märkte mit frischem Geld fluteten. Langfristig geholfen hat das jedoch nicht. Nun gut, die wegen der Finanzkrise angeschlagenen Banken spüren zunächst mal eine gewisse Erleichterung – zumal die US-Notenbank als Sicherheit für die Liquidität nun sogar in größerem Umfang die kaum noch verkäuflichen Hypothekenanleihen akzeptiert.

Und weiter? Die Liquiditätskrise am Markt besteht doch deshalb, weil sich die Banken – die sich normalerweise Tag für Tag untereinander in großem Umfang Geld ausleihen – seit Ausbruch der Finanzkrise gegenseitig misstrauen und ihr Geld zurückhalten: Sie fürchten, die Summen nicht mehr zurückzubekommen, wenn sie sie verleihen. Doch an diesem Misstrauen ändert sich nichts, nur weil die Notenbanken jetzt Geld auf den Markt werfen.

Banken werden vorsichtig bleiben

Sicher, die Zentralbanker wollen ein Austrocknen des Geldmarktes verhindern, und das ist auch gut so. Mit ihrem Geldfluss stützen sie aber höchstens die Märkte und lindern ein wenig die Schmerzen. Denn schon die Wirkung früherer Liquiditätsspritzen verpuffte schnell, was die Notenbanker am Dienstag auch einräumen mussten: Seit der koordinierten Geldpump-Aktion Ende 2007 sei «der Liquiditätsdruck in einigen Refinanzierungsmärkten» wieder gestiegen, teilten die Notenbanken mit.

Das nimmt nicht Wunder, denn die Probleme sind noch lange nicht vom Tisch, dass sich die Kreditinstitute wieder vertrauen könnten. Zwar haben die Krise am US-Immobilienmarkt und die teils wenig werthaltigen Hypothekenpolicen bereits zu Abschreibungen von mehr als 200 Milliarden Dollar geführt. Doch Experten schätzen, dass der Gesamtschaden drei Mal so hoch sein könnte. Aus Angst um die eigenen Bilanzen werden die Banken also weiterhin sehr vorsichtig bleiben, wenn es darum geht, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. Sie werden die neue Liquidität also eher horten als weiterreichen.

Dass die US-Notenbank nun auch noch Ramsch-Papiere als Sicherheit bei Refinanzierungsgeschäften akzeptiert, wirft ein neues Licht auf die Gesamtlage. Am Ende könnte die Zentralbank, sprich der Staat, womöglich mit zweifelhaften Hypotheken abgesicherte Wertpapiere in einem dreistelligen Milliardenvolumen innehaben – und die Krise immer noch nicht gelöst sein. Die Gefahr einer US-Rezession ist jedenfalls bei weitem nicht umschifft, Pessimisten fürchten, dass die Finanzkrise ihre volle Wucht erst noch entfalten wird.

 
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