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Entscheidung in Frankfurt: 

EZB lässt Zinsen unverändert

06. Mrz 2008 16:39
Jean-Claude Trichet warnt die Tarifparteien
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Anders als die Währungshüter in den USA und Großbritannien begegnet die Europäische Zentralbank den Finanzturbulenzen vorerst gelassen. Ihr Präsident sieht aber eine «hohe Unsicherheit» beim Wachstum.

Die Europäische Zentralbank bleibt bei ihrer abwartenden Strategie: Sie ließ bei ihrer turnusmäßigen Sitzung am Donnerstag in Frankfurt am Main den Leitzins im Euro-Raum unverändert bei vier Prozent.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wies auf die deutlich gestiegene Inflation hin und betonte, die Wahrung der Preisstabilität auf mittlere und längere Sicht habe «höchste Priorität» für die Zentralbank.

Zugleich senkten die Währungshüter ihre Konjunkturerwartungen. Der Euro stieg unterdessen auf den Rekordstand von 1,5358 Dollar. Die wirtschaftlichen Grundlagen im Euro-Raum seien intakt, betonte Trichet. Allerdings deuteten die aktuellen Daten auf eine Verlangsamung des Wachstums hin. Er sehe eine «hohe Unsicherheit». Die Folgen der Turbulenzen auf dem Finanzmarkt könnten für die Konjunktur möglicherweise stärker ausfallen als erwartet, sagte der EZB-Präsident.

Wachstumsprognose gesenkt

Für dieses Jahr rechnet die EZB mit einem Plus von 1,3 bis 2,1 Prozent. Im Dezember war sie noch von einem Wachstum zwischen 1,5 bis 2,5 Prozent ausgegangen.

Als weitere Risiken nannte Trichet die hohen Rohstoffpreise und die weltweit schwächere Nachfrage. Positiv sei, dass die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gesunken sei.

Rasanter Anstieg der Inflation erwartet

Die EZB erwartet wegen der hohen Energie- und Lebensmittelpreise einen rasanten Anstieg der Inflation. Die jährliche Teuerungsrate im Euro-Raum werde laut Prognosen in diesem Jahr im Schnitt bei 2,9 Prozent statt der bisher erwarteten 2,5 Prozent liegen, sagte Trichet.

Auch 2009 werde sie mit 2,1 statt 1,8 Prozent weiter über der entscheidenden Zwei-Prozent-Marke liegen. Die Notenbank strebt Werte von unter zwei Prozent an. Eine hohe Inflation spricht gegen Zinssenkungen, weil niedrige Zinsen die Teuerung anheizen.

Trichet fordert moderate Lohnabschlüsse

Die Tarifparteien forderte der EZB-Präsident zu moderaten Lohnabschlüssen auf. «Der EZB-Rat beobachtet die Tarifverhandlungen im Euro-Raum mit besonderer Aufmerksamkeit.» Es dürfe keine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt werden.

Die EZB steckt seit dem Ausbruch der US-Immobilienkrise und den damit verbundenen Finanzmarkt-Turbulenzen im vergangenen Sommer in einer Zwickmühle: Erhöht sie die Zinsen, könnte dies die ohnehin schon abgeschwächte Konjunktur belasten. Verringert sie die Zinsen, besteht die Gefahr, dass die Inflation weiter steigt.

US-Notebank lockert Zügel

Im Januar und Februar lag die Inflation im Euro-Raum bei 3,2 Prozent und damit auf einem Rekordstand. Die EZB ist damit bisher nicht der Politik der US-Notenbank und der Bank of England gefolgt. Die britischen Währungshüter ließen die Zinsen zwar am Donnerstag unverändert, hatten sie aber in der Vergangenheit bereits verringert.

Die US-Notenbank hatte in den vergangenen Monaten angesichts der deutlichen Konjunkturabkühlung in den Vereinigten Staaten die geldpolitischen Zügel in mehreren Schritten kräftig gelockert. Der entscheidende Leitzins liegt in den USA mittlerweile bei drei Prozent. (AP/dpa/nz)

 
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