Handwerkspräsident Otto Kentzler warnte, die Wahlergebnisse dürften «die positive Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft nicht bedrohen». Wenn der Arbeitsmarkt weiter reguliert und Mindestlohn sowie höhere Sozialleistungen umgesetzt würden, «erschwert das mehr Beschäftigung». Die deutsche Wirtschaft sei nach den Reformen der vergangenen Jahre inzwischen wieder wettbewerbsfähig. «Wer darüber hinaus weitere soziale Versprechen macht, die nicht zu halten sein werden, schürt mit kaltem Kalkül schon jetzt den Frust der Menschen morgen», sagte Kentzler.Der Präsident des Groß- und Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, sorgt sich um eine Verschlechterung des Investitionsklimas. Es sei zu befürchten, dass sich ausländische Firmen bei einem Linksruck mit Investitionen in Deutschland künftig stärker zurückhielten. Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, warnte davor, die Wirtschaftspolitik an Umfragen auszurichten. «Das ist nicht die Botschaft, die wir für Deutschland brauchen», kommentierte Heise das Wahlergebnis. Dadurch werde der Reformdruck auf die Politik gedämpft.
Bei den beiden Landtagswahlen zog die Linkspartei erstmals in das jeweilige Parlament ein. Die SPD legte in Hessen um 7,6 Prozentpunkte zu und lag im vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 36,7 Prozent nur 0,1 Punkte hinter der CDU, die bei den letzten Wahlen noch eine absolute Mehrheit erreicht hatte. Die Koalitionsbildung in Wiesbaden ist derzeit völlig offen, da weder Rot-Grün noch CDU und FDP zusammen eine Mehrheit erreichen.
In Niedersachsen setzte sich die CDU unter Ministerpräsident Christian Wulff dagegen klar durch. Verluste mussten in dem Flächenstaat aber beide großen Volksparteien hinnehmen. Profiteur war vor allem die Linkspartei, die mit 7,1 Prozent in den hannoverischen Landtag einzieht.