Rice wirbt in Davos um Vertrauen in die USA
23. Jan 2008 23:05
 |  Condoleezza Rice am Mittwoch Abend in Davos | Foto: AP |
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Beim Weltwirtschaftsforum versucht sich die amerikanische Außenministerin im Gesundbeten. Die Verunsicherung wegen Finanzkrise und Rezessionsangst bewegt auch die Wirtschafts-Elite im Schweizer Wintersportort.
Im Zeichen von Finanzkrise und Rezessionsängsten ist am Mittwoch das 38. Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos eröffnet worden. US-Außenministerin Condoleezza Rice wies in ihrer Rede Bedenken über eine grundsätzliche Schwächung der amerikanischen Wirtschaft zurück. «Die amerikanische Wirtschaft ist belastbar, ihre Struktur ist gesund, und ihre langfristig gesehenen wirtschaftlichen Fundamente sind gesund», sagte Rice am Mittwoch Abend.
Ihre Worte trafen auf eine stark verunsicherte Elite aus Wirtschaft und Politik, die sich bis Sonntag in dem Schweizer Wintersportort versammelt hat. Die Stimmungslage unter den Führungskräften der Industrie in den USA und in Europa ist deutlich schlechter als noch vor einem Jahr. Dabei machen neben der Hypotheken- und Kreditkrise auch die steigenden Energiepreise sowie Umweltprobleme Sorgen. Rice versicherte, dass die US-Wirtschaft auch weiterhin eine wichtige Rolle für die Weltökonomie spielen werde. «Unsere Wirtschaft wird ein treibender Motor weltweiten Wirtschaftswachstums bleiben.» Die USA begrüßten weiterhin ausländische Investitionen und den freien Handel. «Wir sollten also Vertrauen in die grundlegende Stärke der weltweiten Wirtschaft haben», sagte die Außenministerin.
Dieses Vertrauen ist aber derzeit offenbar stark erschüttert. Die Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers legte in Davos eine Umfrage vor, die erstmals seit 2003 einen negativen Trend aufzeigt. Befragt wurden 1150 Manager in 50 Staaten im letzten Quartal des vergangenen Jahres. Es sind vor allem die amerikanischen Wirtschaftsführer, von denen sich nur noch 35 Prozent optimistisch zeigen, im Vergleich zu 55 Prozent im vergangenen Jahr. In Europa sehen noch 44 Prozent der Befragten wohlgemut in die Zukunft, was aber einen Rückgang von acht Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.
Soros prophezeit Kraft-Verschiebung
Dagegen stieg das Vertrauen in weiteres Wachstum im asiatisch-pazifischen Raum sowie in Lateinamerika und in Mittel- und Osteuropa auf insgesamt 55 Prozent. Sie ist mit 73 Prozent besonders stark in China und liegt in Indien sogar bei 90 Prozent. Finanzier George Soros sagte in Davos, die gegenwärtige Krise zeige auch «eine bedeutende Verschiebung an Kraft und Einfluss» von den USA hin zu den wachsenden Volkswirtschaften Chinas und Indiens. Es werde auch kaum möglich sein, eine Rezession etwa in den USA aufzuhalten.Der Schweizer Bundespräsident Pascal Couchepin rief zur kritischen Analyse von Exzessen auf den Finanzmärkten auf. Im Kontrast zum düsteren wirtschaftlichen Umfeld stellte Rice die amerikanischen Ideale von Freiheit und Demokratie sowie die Zuversicht ins Zentrum ihrer Eröffnungsrede. Die amerikanische Wirtschaft sei belastbar und werde ein Wachstumsmotor bleiben, sagte sie und verwies auf das Konjunktur-Ankurbelungsprogramm von Präsident George W. Bush.
Wasserknappheit und Terrorismus
WEF-Gründer Klaus Schwab warnte vor übertriebenem Pessimismus und nannte Klimawandel, Wasserknappheit und Terrorismus als Themen für das diesjährige Treffen, das unter dem Motto «Die Kraft gemeinsamer Erneuerung» steht. Der afghanische Präsident Hamid Karsai machte darauf aufmerksam, dass der Krieg gegen Terrorismus auch sechs Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht gewonnen sei. Vielmehr drohe sich der Terrorismus in Afghanistan und Pakistan unkontrolliert auszubreiten.
US-Außenministerin Condoleezza forderte eine gerechtere Verteilung des globalen Wohlstandes. Rund die Hälfte aller Menschen lebe unter der Armutsgrenze von zwei US-Dollar am Tag, sagte Rice. «Das ist einfach nicht akzeptabel in einer zivilisierten Welt.» Rice forderte einen freien Zugang der armen Staaten zu den Märkten der Industrieländer. Deshalb müssten die Mitglieder der Welthandelsorganisation die Liberalisierung der Märkte in der Welthandelsrunde rasch voranbringen.
«Zu viele Nationen sind zurückgefallen»
Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die internationale Gemeinschaft, ihren Einsatz für die ärmsten Menschen der Welt zu verstärken. «Zu viele Nationen sind zurückgefallen», sagte er in Genf vor Beginn des Forums. Das Jahr 2008 solle den «unteren Milliarden», also den ärmsten Menschen in den Entwicklungsländern, gewidmet werden. Trotz vieler Rückschläge sei das Erreichen der UN-Millenniumsziele zur Halbierung der Armut bis 2015 noch möglich. Papst Benedikt XVI. appellierte zum Auftakt des Forums an die Verantwortung der Manager. In einem offenen Brief forderte das Oberhaupt der Katholiken die Konzernchefs auf, ihre Geschäftstätigkeit stärker nach sozialen, ökologischen und friedenserhaltenden Aspekten auszurichten. Global agierende Unternehmen müssten auch in armen Ländern stabile und sozial abgesicherte Jobs für die Menschen schaffen. Zudem dürften die Firmen nicht länger die Umwelt zerstören.
Beim Weltwirtschaftsforum beraten rund 2.500 Politiker und Wirtschafsführer über globale wirtschaftliche und soziale Themen. Auch Künstler wie der Rocksänger Bono werden erwartet. Bei dem Treffen kommen auch bewaffnete Konflikte und das Problem des internationalen Terrorismus zur Sprache. Die Teilnehmer fassen keine formalen Beschlüsse. Das Forum endet am Sonntag. (AP/dpa/epd)