Ökonomen fordern Ende der Subventionspolitik
Für Ärger hatte vor allem gesorgt, dass erst im September 2006 die Bindungsfrist, die an die Subventionen gekoppelt war, ausgelaufen war. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte Nokia deshalb vorgeworfen, sich wie eine «Subventionsheuschrecke» zu gebärden. Von dieser Bezeichnung hält Straubhaar nichts: «Der Ausdruck ist deplaziert, weil es eine klare Vereinbarung zwischen Nokia und Nordrhein-Westfalen gab.»
Angesichts der Entscheidung des finnischen Konzerns sollte die Politik über Alternativen zu Subventionen nachdenken, findet auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. Das Beispiel Nokia lehre, «dass die Subventionspolitik endlich radikal beendet wird» – die Mittel könnten anderweitig besser eingesetzt werden.
Zimmermanns Kollege Straubhaar macht konkrete Vorschläge: Mit dem gesparten Geld aus Fördermitteln sollte der Staat Lohnnebenkosten senken und vor allem in Bildung, Forschung und zukunftsträchtige Branchen investieren. Denn Arbeitnehmer mit geringer Qualifizierung, die vergleichsweise standardisierte Tätigkeiten ausführten, seien tendenziell Verlierer der Globalisierung. Ähnlich hatte sich auch der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Christoph Schmidt, geäußert.
Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, heute Antibürokratie-Beauftragter der EU-Kommission, rät dagegen zu einem anderen Schritt: eine Verschärfung der Subventionsregeln in Europa. «Wir haben in Deutschland eine ganz klare Rechtslage: Eine Firmenverlegung, ein reiner Umzug von einem in ein anderes Bundesland, allein um Kosten zu sparen, wird bei uns nicht mehr gefördert», sagte Stoiber der «Bild». «Das muss auch in Europa klipp und klar festgeschrieben werden.» (nz)
