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EZB fürchtet Inflation mehr als Wachstumsdelle

10. Jan 2008 17:34
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet
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Die EZB erwägt, wegen der hohen Inflation die Zinsen zu erhöhen - trotz des drohenden Wachstumsdämpfers. Der Euro stieg nach den Äußerungen deutlich über 1,47 Dollar.

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag wegen der zunehmenden Neigung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen anzuheben, wieder deutlich über die Marke von 1,47 US-Dollar gestiegen. Die Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,4740 Dollar gehandelt. Die EZB hatte am Donnerstag den Leitzins bei 4,0 Prozent unverändert gelassen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte sich aber besorgt über die hohe Inflation geäußert und Signale gesendet, notfalls die Zinsen zu erhöhen.

«Wir werden nicht zulassen, dass die Inflationsrate weiter ansteigt», sagte Trichet in Frankfurt. Die Notenbank werde entschieden dagegen vorgehen, dass überzogene Lohnsteigerungen in den kommenden Tarifverhandlungen die Preise weiter nach oben trieben. «Wir werden solche Zweitrundeneffekte nicht tolerieren, das ist glasklar», betonte der EZB-Chef.

Inflation deutlich über EZB-Grenzmarke

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Im Dezember lag die Teuerung im Euroraum bei 3,1 Prozent. Die EZB geht davon aus, dass die Inflation weiterhin über 2,0 Prozent verharren wird. Auch im Jahresverlauf 2008 werde die Rate nur moderat zurückgehen, so Trichet. Die EZB sieht Preisstabilität bei knapp zwei Prozent gewahrt.

«Wir haben das Für und Wider einer Zinserhöhung oder keiner Zinserhöhung besprochen und haben uns entschieden, die Zinsen unverändert zu lassen», sagte Trichet und deutete damit indirekt an, dass eine Zinssenkung nicht in Frage komme. Vor den Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte der Euro noch bei etwas über 1,46 Dollar gelegen. Die EZB hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,4662 Dollar festgesetzt, nach 1,4680 Dollar am Mittwoch.

EZB im Dilemma

Ökonomen sehen die Äußerungen mit gemischten Gefühlen. Da sich die EZB der Preisstabilität verpflichtet fühlt, sieht sie es als ihre wichtigste Aufgabe an, durch die Geldpolitik die Inflation in Schach zu halten. «Die EZB ist gezwungen zu bellen – ob sie auch beißt, ist noch nicht entschieden», kommentierte Commerzbank-Experte Michael Schubert. Denn die eingetrübten Konjunkturperspektiven sprechen im Grunde dagegen, die Zügel anzuziehen.

Die EZB steckt in der Zwickmühle. Niedrigere Zinsen könnten die Inflation anheizen, aber einem drohenden Abschwung entgegenwirken. Höhere Zinsen würden Kredite verteuern und könnten so die ohnehin belastete Konjunktur dämpfen. Die Commerzbank erwartet allerdings im Gegensatz zur EZB eine deutliche Wachstumsabschwächung im Zuge der US-Kreditkrise – damit sollte auch der Inflationsdruck nachlassen, schätzen die Experten der Bank.

Auch HSBC-Fachmann Thomas Amend rechnet noch eine ganze Weile mit einem Beibehalten der abwartenden geldpolitischen Haltung der EZB, trotz einer etwas ausgeprägteren Neigung zu Zinserhöhungen. Obgleich EZB-Präsident Trichet noch deutlicher als zuvor auf vorhandene Inflationsrisiken wie Zweitrundeneffekte verwiesen habe, kämen Leitzinserhöhungen vor allem aufgrund weiter eingetrübter Wachstumsaussichten nicht in Frage, sagte Amend. (nz)

 
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