Ökonomen sehen die Äußerungen mit gemischten Gefühlen. Da sich die EZB der Preisstabilität verpflichtet fühlt, sieht sie es als ihre wichtigste Aufgabe an, durch die Geldpolitik die Inflation in Schach zu halten. «Die EZB ist gezwungen zu bellen – ob sie auch beißt, ist noch nicht entschieden», kommentierte Commerzbank-Experte Michael Schubert. Denn die eingetrübten Konjunkturperspektiven sprechen im Grunde dagegen, die Zügel anzuziehen.Die EZB steckt in der Zwickmühle. Niedrigere Zinsen könnten die Inflation anheizen, aber einem drohenden Abschwung entgegenwirken. Höhere Zinsen würden Kredite verteuern und könnten so die ohnehin belastete Konjunktur dämpfen. Die Commerzbank erwartet allerdings im Gegensatz zur EZB eine deutliche Wachstumsabschwächung im Zuge der US-Kreditkrise – damit sollte auch der Inflationsdruck nachlassen, schätzen die Experten der Bank.
Auch HSBC-Fachmann Thomas Amend rechnet noch eine ganze Weile mit einem Beibehalten der abwartenden geldpolitischen Haltung der EZB, trotz einer etwas ausgeprägteren Neigung zu Zinserhöhungen. Obgleich EZB-Präsident Trichet noch deutlicher als zuvor auf vorhandene Inflationsrisiken wie Zweitrundeneffekte verwiesen habe, kämen Leitzinserhöhungen vor allem aufgrund weiter eingetrübter Wachstumsaussichten nicht in Frage, sagte Amend. (nz)