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Wie sich die US-Hypothekenkrise global auswirkt

10. Dez 2007 18:10
Die Immobilienkrise in den USA hat weltweit Auswirkungen.
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Die Ausfälle von großzügig vergebenen Immobilien-Krediten in den USA haben sich inzwischen zur Belastungsprobe für das globale Finanzsystem und die Wirtschaft weltweit entwickelt. Eine Chronologie.

Ende 2006:
Der jahrelange Boom am US-Immobilienmarkt ist vorüber. Die in astronomische Höhen hochgeschnellten Hauspreise brechen ein. Der Trend wird sich nach Experteneinschätzung frühestens im Laufe des Jahres 2008 stabilisieren.

Anfang 2007:
Das Geschäft mit riskanten US-Hypotheken-Krediten gerät in Schieflage. Von niedrigen Zinsen und großzügiger Vergabe angelockt, können einkommensschwache Kreditnehmer Raten nicht zahlen.

Juli:
Die IKB Deutsche Industriebank AG senkt wegen der Krise ihre Ergebnisprognose. Vorstandschef Stefan Ortseifen tritt zurück. Die Commerzbank gibt bekannt, mit 1,2 Milliarden Euro im Immobilienmarkt der USA investiert zu sein. Die Allianz ist mit 1,4 Milliarden Euro in verbrieften US-Hypothekenkrediten engagiert.

1. August:
Die Krise gewinnt im August an Fahrt. Ein Bankenpool um die staatliche KfW Bankengruppe unterstützt die IKB mit einer Bürgschaft in Höhe von 8,1 Milliarden Euro. Die Finanzaufsicht Bafin warnt vor der schwersten Bankenkrise seit 1931, sollte die IKB zusammenbrechen.

3. August:
Drei deutsche Investment-Fonds schließen vorübergehend, weitere Anbieter folgen. Die US-Hypothekenkredit-Firma American Home Mortgage entlässt rund 90 Prozent ihrer mehr als 7000 Mitarbeiter.

9. August:
Spekulationen über hohe Verluste mehrerer Großbanken legen den Markt lahm, auf dem Banken sich gegenseitig Geld für das Tagesgeschäft leihen. Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt den Banken 94,8 Milliarden Euro zur Verfügung, um ihre Liquidität zu sichern. Die US-Notenbank zieht mit. In den folgenden Tagen pumpen Zentralbanken weltweit mehr als 300 Milliarden Euro in die Märkte.

11. August:
Die WestLB räumt nach einem Medienbericht ein Engagement von 1,2 Milliarden Euro auf dem US-Immobilienmarkt ein.

12. August:
Die Postbank teilt mit, mit 600 Millionen Euro in zwei Gesellschaften des Rhineland-Fonds engagiert zu sein. In Anleihen im Volumen von etwa 200 Millionen Euro könnten auch Subprime-Kredite enthalten sein. Angesichts der undurchsichtigen Struktur der Papiere lasse sich das Ausfallrisiko nicht beziffern.

14. August:
Die US-Hypothekenbank Aegis Mortgage folgt Dutzenden US-Finanzinstituten und beantragt Gläubigerschutz. Zudem greift die Hypothekenmarkt-Krise im August auf andere Sektoren über. Die US-Geldmanagement-Firma Sentinel friert Vermögenswerte ihrer Kunden ein.

17. August:
Als zweites deutsches Geldinstitut muss die Landesbank Sachsen mit einer Kreditlinie der Sparkassen-Finanzgruppe über 17,3 Milliarden Euro gerettet werden. Eine Dubliner Gesellschaft der Bank namens Ormond Quay hatte massiv in US-Immobilienanleihen investiert.

21. August:
Entgegen allen Beteuerungen von Politikern und Experten drückt die Kreditkrise die Konjunkturerwartungen auch für Deutschland. Das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sackte mit minus 6,9 Punkten auf den tiefsten Stand seit Dezember 2006 ab.

23. August:
Mehr als 50 US-Hypothekenfirmen haben bislang ihre Tätigkeit eingestellt. Die Krise kostet zehntausende Arbeitsplätze – wegen Auftragsrückgängen für den Bau von Einfamilienhäusern auch in der Baubranche.

September:
Die britische Hypothekenbank Northern Rock erhält von der Englischen Zentralbank eine Finanzspritze von 25 Milliarden Euro. Nach Bekanntwerden, dass Northern Rock die US-Kreditkrise drastisch zu spüren bekommt, bildeten sich tagelang Menschenschlangen vor den Filialen der Bank. Die Menschen wollten ihr Erspartes in Sicherheit bringen.

Oktober:
Die Investmentbank Merrill Lynch verbucht wegen hoher Abschreibungen in Folge der Krise an den weltweiten Finanzmärkten einen Milliardenverlust.

November:
Die amerikanische Großbank Citigroup schreibt in Folge der Krise mehrere Milliarden Dollar ab. Europas größte Bank, die britische HSBC, muss im dritten Quartal im Geschäft mit schlecht besicherten US-Hypothekenkrediten 3,4 Milliarden Dollar abschreiben. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat Belastungen von 800 Millionen Euro. Auch die viertgrößte US-Bank Wachovia und die Dekabank, das Fondsinstitut der deutschen Sparkassen, berichten von Belastungen im dreistelligen Millionenbereich.

Dezember:
Die US-Regierung beschließt ein Notfallpaket für die Banken und verschuldete Hausbesitzer. Bei der Ratingagentur Moodys stehen wegen der Hypothekenkrise weltweit Kreditpapiere im Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar auf dem Prüfstand. In Großbritannien wächst die Angst davor, in den Sog der Kreditkrise zu geraten. Die Englische Zentralbank senkt überraschend die Zinsen. Die OECD senkt die Wachstumsprognosen für die westliche Welt - auch wegen der Krise. (dpa)

 
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