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Lupe Manager verteidigen Gehälter gegen Kritik

Die Kritik von Bundespräsident Köhler an Millionen schweren Manager-Einkommen prallt an den Firmenlenkern ab. Nur einer äußerte Zweifel.

Führende deutsche Manager haben nach der Kritik in Politik und Öffentlichkeit die Höhe ihrer Gehälter verteidigt. Continental-Chef Manfred Wennemer sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» sein Gehalt von zuletzt vier Millionen Euro sei «angesichts der guten Position» des Konzerns angemessen. Gleichzeitig zeigte er aber Verständnis für die Kritik an überzogenen Vergütungen. «Bei manchen Summen bekomme auch ich Zweifel.»

Verwerflich finde er die Zahlungen besonders dann, wenn das Salär in keinem Verhältnis zur Leistung stehe, sagte der Chef des Autozulieferers und Reifenherstellers. «Wenn man 50 Millionen Abfindung bekommt, weil man eine Firma an die Wand gefahren hat, dann wird die Argumentation schwierig.» Wenn kein Erfolg da sei und trotzdem solche Beträge gezahlt würden, müsse jeder Mensch fragen: «Wo ist denn da die Leistung, die belohnt wird?» Gesetzliche Obergrenzen lehnte Wennemer aber ab. «Der Markt muss sich da selbst regulieren.

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden war, dass Porsche-Chef Wendelin Wiedeking geschätzte 60 Million Euro einstreichen konnte. Telekom-Chef René Obermann, laut «Bild am Sonntag» mit 2,6 Millionen Euro vergütet, sagte, seine Bezüge bewegten sich im Rahmen, wenn man seine große Verantwortung und seine 90-Stunde-Woche bedenke. Auch Siemens-Chef Peter Löscher (laut Zeitung 4,4 Mio) nannte sein Gehalt angemessen. Es liege im nationalen und internationalen Vergleich «nicht in der Spitzengruppe». Man habe «Augenmaß» bewiesen.

Bahnchef Hartmut Mehdorn, der dem Bericht zufolge 3,2 Millionen Euro verdient, wies darauf hin, das drei Viertel seiner Bezüge erfolgsabhängig seien. Die Chefs der 30 Dax-Konzerne kamen laut Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz 2006 im Durchschnitt 3,417 (Vorjahr: 3,185) Millionen Euro in bar. Spitzenreiter war demnach Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit Gesamtbezügen von 13,2 Millionen Euro.

Bundespräsident Horst Köhler hatte sich in einem Interview besorgt über die auseinanderklaffende Einkommensentwicklung und eine wachsende «Entfremdung zwischen Unternehmen und Gesellschaft» geäußert. Die Manager dürften «in ihren Einkommensvorstellungen nicht die Bodenhaftung verlieren», sagte Köhler. Es gebe in der Bevölkerung das «nachvollziehbare Gefühl, dass etwas nicht stimmt, wenn die Einkommen der einen stark steigen, die der anderen dagegen eher stagnieren.»

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle lehnte in der «Frankfurter Rundschau» Obergrenzen ab. Auch wenn er sich über «einige Abfindungen für Spitzenmanager fuchsig geärgert» habe, wolle er nicht, dass der Staat Gehälter festsetze, weder für Arbeitnehmer noch für Manager.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer begrüßte im Gespräch mit der deutschen Presse-Agentur dpa, dass Köhler «dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat». «Während viele von ihrer Hände Arbeit nicht leben können, boomen die Managergehälter», kritisierte sie. Der Deutsche Gewerkschaftsbund rief die Wirtschaft auf, freiwillig Obergrenzen für die Bezüge der Vorstandsmitglieder zu vereinbaren, die in angemessener Relation etwa zum jeweiligen Facharbeiterlohn stünden. (dpa)