netzeitung.deEU-Kommission warnt vor Schäden durch Bahnstreiks

 Herausgeber: netzeitung.de

Klimafreundlicher Gütertransport verliert Vertrauen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Klimafreundlicher Gütertransport verliert Vertrauen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Streiks der Eisenbahner in Frankreich und Deutschland werfen nach Ansicht der EU-Kommission die europäische Wirtschaft zurück. Außerdem sinke das Vertrauen in den klimafreundlichen Gütertransport.

Angesichts der Bahnstreiks in Deutschland und Frankreich hat die EU-Kommission vor gravierenden Folgen für die Wirtschaft in weiten Teilen Europas gewarnt. «Ein langer Bahnstreik kann der Wirtschaft schaden, und zwar nicht nur in Deutschland und Frankreich, sondern auch in benachbarten Ländern», sagte Kommissions-Vizepräsident Jacques Barrot der «Bild am Sonntag». So habe er gehört, dass in einigen belgischen Firmen die Produktion ins Stocken geraten sei, weil sie nicht mehr mit Waren aus Deutschland beliefert werden konnten.

Barrot, der in der EU-Kommission für Transport und Verkehr zuständig ist, appellierte an die Tarifpartner, sich schnell zu einigen. «Ich hoffe, dass die Tarifpartner in schnellen, fairen Verhandlungen zu einer Einigung kommen ohne darauf zu warten, dass der Staat eingreift», erklärte er.

Vertrauensverlust
Zugleich warnte Barrot, die Streiks könnten zu einem Vertrauensverlust für den klimafreundlichen Gütertransport auf der Schiene führen. «Die Transportpolitik der EU zielt darauf, den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, um den Schadstoffausstoß zu verringern. Lange Streiks erschüttern das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Bahn», sagte Barrot. Damit stünden die Streiks auch den langfristigen Interessen der Bahnmitarbeiter entgegen.

Die Folgen im Güterverkehr zu beseitigen wird laut Bahn längere Zeit dauern. Vor allem im Osten müssten stehen gebliebene Züge aufgesucht und an ihr Ziel gebracht werden, , sagte ein Sprecher der Frachttochter Railion am Samstag in Mainz.

Ausfälle in zweistelliger Millionenhöhe
Zusätzlich müssten ausgefallene Fahrten nachgeholt und in den ohnehin engen Fahrplan integriert werden. Auch der Einsatz der Loks müsse neu geplant werden. Das Wochenende biete dazu aber gute Gelegenheit, weil üblicherweise weniger Güterzüge verkehren als in
der Woche. Railion plane, mehr Personal in den Loks und den Zugbildungsanlagen einzusetzen, um die Rückstände aufzuholen, erklärte der Sprecher. Wie lange die Aufräumarbeiten andauerten, könne er nicht exakt sagen.

Railion hat nach eigenen Angaben schon vor dem Streik Aufträge in zweistelliger Millionenhöhe verloren. Einzelne Kunden hätten nur einzelne Züge abbestellt, andere hätten ihre Transporte ganz auf andere Verkehrsträger verlagert, erklärte der Sprecher. Es sei sehr schwierig, diese wieder zurück zu gewinnen, da sie oftmals ihr ganzes Logistikkonzept umgekrempelt hätten und möglicherweise erneute Umstellungskosten scheuten. (nz/dpa/AP)