Mafia ist Italiens umsatzstärkstes Unternehmen
23.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Was von der Mafia über Schutzgelder, Schmuggel, Wucherzinsen, Drogengeschäfte und andere Machenschaften einkassiert wird, entspricht sieben Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts, wie der nationale Gewerbeverband Confesercenti ausgerechnet hat. Die Zahlen wurden am Dienstag der Regierung in Rom vorgelegt zusammen mit der lauten Klage über den «zunehmenden Einfluss» der Mafia in Italien.
«Der Schraubstock der Mafia hat bewirkt, dass von 2004 bis 2006 rund 165.000 kommerzielle Aktivitäten eingestellt wurden und 50.000 Hotels dichtgemacht haben», erläutert der Bericht. Wer etwa in Neapel am Markttag einen Verkaufstand aufstellen wolle, zahle dafür fünf bis zehn Euro in die Kasse der Camorra. «Im Süden ist es ein Notstand, aber auch im Norden Italiens wird bezahlt», beklagt der Verband, der 270.000 Geschäfte und Unternehmen vertritt.
Brandanschläge oder den Besuch von «Vandalen» habe zu befürchten, wer nicht schön regelmäßig das Schutzgeld («pizzo») hinblättere. Einige Ladenbesitzer bezahlten es mit dem Leben, weil sie nicht «mitspielen» wollten. Kein Wunder also, dass acht von zehn sizilianischen Geschäften «pizzo» hinlegten.
Müssen die Italiener also mit der Cosa Nostra leben, kann die Politik wirklich nichts gegen die «Mafia AG» tun? Der Gewerbeverband gibt nicht auf und macht in seinem alarmierenden Mafia-Bericht «SOS Unternehmen» auch eine Reihe von Vorschlägen. So soll die Regierung in Rom sicherstellen, dass mafianahe Unternehmen von Ausschreibungen öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden.
Ausgebildete «Tutoren» könnten die Firmen und Investoren beraten, damit sie nicht zur Beute von Erpressern und Zinshaien werden. Oder ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, während die Clans ihre politischen Drähte pflegen? (Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)

