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In Europa soll mehr Getreide wachsen

26. Sep 2007 18:01
Schlechte Ernten trieben die Getreidepreise auf einen historischen Höchststand
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Die EU-Kommission hofft angesichts hoher Preise auf eine bis zu zehn Millionen Tonnen größere Getreideernte: Die Gemeinschaft will Flächen zum Anbau freigeben, die eigentlich brach liegen sollten.

Angesichts der Teuerungswelle bei Brot und Futtermitteln will die EU die Getreideproduktion in Europa ankurbeln. Die EU-Agrarminister hoben dazu am Mittwoch eine Pflanzbeschränkung für die europäischen Bauern vorläufig auf. Nach Einschätzung von EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel «dürften damit rund zehn Millionen Tonnen Getreide zusätzlich auf den Markt kommen». Fischer Boel sprach sich zudem dafür aus, die Einfuhrzölle auf Getreide vorläufig aufzuheben.

Die Bundesregierung erklärte eine Aussetzung der Zölle für verfrüht. Er habe den Eindruck, dass es eine «spekulative Überhöhung des Problems» auf dem Getreidemarkt gebe, sagte der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Gert Lindemann, in Brüssel. Viele Bauern lagerten angesichts der Preisentwicklung ihr Getreide erst einmal ein, anstatt es zu verkaufen. Lindemann erklärte, die EU sollte sich zunächst einen Überblick verschaffen: «Was ist denn, nicht nur auf dem Markt, sondern auch auf den Bauernhöfen, an Getreide in Europa verfügbar?» Erst wenn diese Frage geklärt sei, «können wir über einen vorläufigen Verzicht auf Einfuhrzölle entscheiden.»

Historischer Höchststand

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Fischer Boel will die Zölle zunächst bis zum 30. Juni 2008 aussetzen. Die Kommissarin begründete ihren Vorstoß damit, dass die Getreidepreise einen historischen Höchststand erreicht hätten. Die sogenannten Interventionsbestände, die Reserven der EU für Marktschwankungen, seien von 14 Millionen Tonnen auf eine Million Tonnen zurückgegangen.

Aus demselben Grund wurden auch die in Zeiten großer Überschüsse eingeführten Pflanzbeschränkungen ausgesetzt. Die Vorschrift, nach der die EU-Bauern zehn Prozent ihrer Anbaufläche brachliegen lassen müssen, gilt für die Aussaat im Herbst 2007 und im Frühjahr 2008 nicht. Fischer Boel kündigte an, auch grundsätzlich zu überprüfen, «ob die Flächenstilllegung immer noch ein geeignetes Instrument ist».

Polen will höhere Milchquote

Da auch die Preise für Milchprodukte gestiegen sind, regte Polen eine Erhöhung der Milchquote an. Die Bundesregierung ist jedoch dagegen: «Wir haben jetzt nach 20 Jahren eines schlechten Milchpreises erstmals eine gewisse Erholung, und wir wollen warten, bis sich diese Tendenz stabilisiert hat», sagte Staatssekretär Lindemann. «Wir befinden uns nicht in einer Situation, in der sich die Milchbauern eine goldene Nase verdienen.»

Lindemann regte jedoch an, die Strafzahlungen für Bauern, die ihre Quote übererfüllen, auszusetzen. Entschieden werden sollte dies aber erst «irgendwann im Jahr 2008, wenn wir genauer wissen, ob die Hochpreisphase für bestimmte Milchprodukte dauerhaft anhält». Der Staatssekretär sprach sich ferner dafür aus, die Milchquote künftig europaweit zu betrachten. Dann könnten Überschüsse etwa aus Deutschland, Polen oder Italien mit den niedrigeren Produktionsraten in Ländern wie Großbritannien und Schweden verrechnet werden.

Gen-Mais zugelassen

Die Landwirtschaftsminister machten außerdem mit Zustimmung Deutschlands den Weg für die Zulassung von drei neuen Genmais-Sorten in Europa frei. Wegen zahlreicher Gegenstimmen kam im Agrarrat zwar keine qualifizierte Mehrheit für die Zulassung zustande, in einer solchen Pattsituation kann die EU-Kommission jedoch eigenständig über die Zulassung entscheiden. Die Brüsseler Behörde hatte sich bereits dafür ausgesprochen, den Import der drei als Futtermittel bestimmten Maissorten nach Europa zu genehmigen. (Barbara Schäder, AP)

 
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