Nettolohn auf niedrigstem Stand seit 20 Jahren
24.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Wie das Blatt berichtete, lagen die Gesamtabzüge vom Bruttolohn laut der Statistik im vergangenen Jahr auf Rekordniveau. Im Schnitt habe ein Arbeitnehmer 9291 Euro an Lohnsteuer und Sozialbeiträgen gezahlt. Das ist nach Angaben der Zeitung so viel wie noch nie zuvor. 1986 hätten die Abzüge noch bei 5607 Euro gelegen. Sie seien also um fast 66 Prozent gestiegen. Die Bruttolöhne seien im gleichen Zeitraum dagegen nur um 48 Prozent von 22.333 Euro auf 33.105 Euro im Jahr gestiegen, schrieb das Blatt.
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, kritisierte die Entwicklung. Sommer sagte der «Bild»: «Es gibt dringenden Nachholbedarf für den 'kleinen Mann' die Geldbeutel der Menschen wurden in den vergangenen Jahren geschröpft.« Sommer erneuerte in diesem Zusammenhang die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn »von mindestens 7,50 Euro pro Stunde«.
Die Bundesarbeitsministerium bezeichnete den Bericht als «unsachgemäß und überinterpretiert». Die Daten zu den Nettorealverdiensten der Arbeitnehmer seien «verkürzt wiedergegeben und einseitig tendenziös interpretiert» worden, heißt es in einer am Montag verbreiteten Stellungnahme des Ministeriums.
Laut Ministerium wird diese Statistik seit mehr als 40 Jahren veröffentlicht. Der Vergleich 2006 mit 1986 sei unzulässig, weil westdeutsche Ergebnisse gesamtdeutschen gegenüber gestellt würden. Unzutreffend sei die Behauptung, der Staat greife dreister in die Tasche. So sei die Nettoquote der Löhne und Gehälter seit zehn Jahren stabil. Erstmals seit 1995 liege die Beitragsquote zu den Sozialkassen unter 40 Prozent. Richtig sei allerdings, dass die Löhne langsamer gestiegen seien als die Preise. (nz/dpa)

