DIHK hält Erbschaftsteuer für unrentabel
18. Sep 2007 09:27
 |  Ludwig Georg Braun | Foto: dpa |
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Vor dem Erbschaftsteuer-Gipfel im Kanzleramt hat DIHK-Chef Braun bestritten, die Wirtschaftsverbände wüssten nicht, was sie wollten. Es tue der Diskussion keinen Abbruch, nicht immer einstimmig zu reden.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, hat bestritten, dass die Wirtschaft in ihrer Haltung zur Steuerreform schlingert. «Es gibt keinen Zickzackkurs», sagte Braun der «Süddeutschen Zeitung». «Wir wissen genau, was wir wollen.»Er räumte ein, dass der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) bei der Reform der Erbschaftsteuer «die alte Position zunächst nicht aufgibt» – also das so genannte Abschmelzmodell, wonach Firmenerben über zehn Jahre schrittweise von der Steuer befreit werden. Der DIHK und der Handwerksverband befürworten dagegen ein Modell mit einfachen Bewertungsverfahren und hohen Freibeträgen für das Betriebsvermögen.
Braun: Steuer rechnet sich für Länder nicht
«Am besten wäre die Abschaffung der Erbschaftsteuer», sagte Braun der «SZ». «Warum wird Familienbetrieben alle 30 Jahre ein Vermögen weggenommen und börsennotierten Konzernen nicht?» Zudem sei der bürokratische Aufwand bei der Erbschaftsteuer zu hoch: «Ich bin sicher, dass es in Thüringen mehr Geld kostet, sich mit der Erbschaftsteuer zu beschäftigen, als die acht Millionen, die das Land damit einnimmt», sagte Braun. Für Dienstag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft ins Kanzleramt eingeladen, neben Braun auch BDI-Präsident Jürgen Thumann und den Präsidenten des Handwerksverbands ZDH, Otto Kentzler. Dass die Verbände dort mit einer Stimme sprechen, hält Braun für nicht notwendig. «Wir müssen nicht immer einstimmig reden. Das gehört auch zur Diskussionskultur – bei Verbänden ebenso wie in der Politik.»
«Wir müssten viel offener sein»
Zugleich zeigte sich Braun unzufrieden mit den Beschlüssen der Bundesregierung auf ihrer Kabinettsklausur in Meseberg. «Das ist zu wenig», sagte der DIHK-Chef. Dass die Absolventen deutscher Unis aus den neuen EU-Staaten sowie aus Drittstaaten nach dem Abschluss bleiben dürfen, sei keine «große Reform». «Wir müssten viel offener sein», forderte Braun. «Der Fachkräftemangel wird sich noch verstärken. Bei den Handwerkern und in der Pflege werden wir bald ähnliche Probleme bekommen wie jetzt bei den Ingenieuren.»Das Argument, die Betriebe müssten einfach mehr ausbilden, ließ Braun nicht gelten. «Der Fachkräftemangel hat nur wenig mit mangelnder Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zu tun», argumentierte Braun. «Ich kann nicht jemanden zum Mechatroniker ausbilden, der das nicht will. Und es ist oft unrealistisch, dass ich einen Arbeitslosen mitsamt Familie aus Buxtehude nach München bekomme.» (nz)