11. Sep 2007 14:58
Die Immobilienkrise wird nach Ansicht der EU auch die Konjunktur belasten. Währungskommissar Almunia geht davon aus, dass die «Spitze des Zyklus» schon überschritten ist.
In seiner am Dienstag vorgestellten Interimsprognose, die auf der Wirtschaftsentwicklung in den sieben größten EU-Staaten beruht, sagt Almunia nur noch ein Wachstum von 2,5 Prozent für die Eurozone und von 2,8 Prozent für die Europäische Union insgesamt voraus. Damit korrigierte er seine Vorhersage vom Frühjahr um jeweils 0,1 Prozentpunkte nach unten. Hauptgrund dafür seien neben den Turbulenzen auf dem Finanzmarkt «negative Überraschungen» aus Frankreich, Italien und den Niederlanden, sagte der Wirtschaftskommissar. Für Deutschland erwartet Almunia für das laufende Jahr ein Wachstum von 2,4 Prozent, das sind ebenfalls 0,1 Prozentpunkte weniger als er im Frühjahr vorhergesagt hatte.Im ersten Halbjahr 2007 habe sich die Konjunktur unter anderem wegen der Mehrwertsteuererhöhung etwas abgeschwächt, sagte der EU-Kommissar. Almunia bezeichnete dies aber als vorübergehenden Effekt: «Wir gehen davon aus, dass die dem deutschen Aufschwung zugrundeliegende Stärke fortbesteht.» Allerdings hat sich die Inflation in Deutschland stärker verschärft als von der Kommission zunächst angenommen, Almunia korrigierte seine Prognose von 1,9 Prozent auf 2,1 Prozent nach oben.
Damit dürfte die Teuerungsrate in der Bundesrepublik 2007 leicht über dem Durchschnitt der Eurozone liegen, für die eine Inflationsrate von 2 Prozent erwartet wird. Als Gründe dafür identifizierte die EU-Kommission neben der Mehrwertsteuererhöhung auch die Einführung von Studiengebühren in mehreren Bundesländern sowie die jüngste Erhöhung der Lebensmittelpreise.
Am schärfsten wurde die Konjunkturprognose für Frankreich korrigiert: Während die Kommission hier im Mai noch ein Wachstum von 2,4 Prozent für 2007 erwartete, geht sie jetzt nur noch von 1,9 Prozent aus. Almunia sprach von einem «negativen Schock», in Anspielung auf den vom neuen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy angestrebten «Wachstums-Schock».
Nach Darstellung Almunias hat die französische Wirtschaft von der gestiegenen Verbrauchernachfrage nur geringfügig profitiert: «Die gestiegene Nachfrage wurde teilweise Importe gesättigt.» Zugleich exportierten französische Unternehmen vergleichsweise wenig ins Ausland, heißt es in der Kommissionsanalyse. (AP)