Merkel will Finanzmärkte stärker überwachen
18.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
«Wir haben es oft mit einer nicht mehr durchschaubaren Weiterverwertungskette von Kredit-Risiken zu tun, für die am Ende alle haften. Und es müssen die einflussreichen Rating-Agenturen auf den Prüfstand. Es muss künftig klar sein, auf welcher Grundlage sie ihre Bewertungen von Unternehmen vornehmen. Das kann keine schwarze Box sein, wo etwas herauskommt, das keiner nachvollziehen kann», unterstrich die Kanzlerin.
In Deutschland sind mittlerweile zwei Banken in den Sog der Turbulenzen geraten. Die Sächsische Landesbank erhielt jetzt kurzfristig einen Kredit von 17,3 Milliarden Euro von der Sparkassen-Finanzgruppe. Die Sachsen LB-Tochter Ormond Quay, eine irische Investmentgesellschaft war wegen Verpflichtungen aus einem US-Fonds in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB drohten ebenfalls Milliardenverluste durch Fehlspekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt. Die staatseigene Förderbank KfW, die mit 38 Prozent an der IKB beteiligt ist, hatte daraufhin einen Liquiditätslinie von 8,1 Milliarden Euro übernommen.
Der Finanzminister zeigte Verständnis für Zweifel, ob die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Fall der Deutschen Industriebank IKB zu spät regiert habe. «Es hat an Prüfungen und Sonderprüfungen im Fall der IKB bis in die jüngste Zeit nicht gefehlt.» Diese hätten allerdings keine Beanstandungen ergeben oder Risiken ausgewiesen.
Der Finanzwissenschaftler Rolf Peffekoven, sagte dem «Tagesspiegel am Sonntag»: «Die deutsche Bankenaufsicht funktioniert nicht richtig. Wir brauchen eine funktionsfähige und transparente Bankenaufsicht, bei der die Zuständigkeiten zwischen Bafin und Bundesbank klar geregelt sind.» Wenn sich die Wogen am Finanzmarkt geglättet hätten, sei eine Diskussion darüber notwendig, ob sich der Bund über die KfW an privaten Banken noch beteiligen sollte. Peffekoven, der im wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums sitzt, fügte hinzu: «Ich meine, er sollte nicht.»
Die weltweite Krise an den Finanzmärkten hat nach Ansicht des Direktors des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, keine Auswirkungen auf die Konjunktur in Deutschland. «Jetzt erfolgte eine Korrektur, kein Crash. Schon gar nicht für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland», schreibt Straubhaar in einem Gastbeitrag für «Bild am Sonntag». «Die deutsche Wirtschaft wird weiter wachsen - übers ganze Jahr gerechnet immer noch mit gut 2,5 Prozent.» (dpa)

