netzeitung.deBerlin verhindert massive Bankenkrise

 Herausgeber: netzeitung.de

Krisensitzung mit Steinbrück (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Krisensitzung mit Steinbrück
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Schieflage der Deutschen Industriebank drohte, den gesamten Bankensektor in eine Krise zu stürzen. Jetzt müssen die staatseigene KfW und andere Institute mit Milliarden in die Bresche springen.

Deutschland ist nur durch das Eingreifen des Staates einer möglichen schweren Krise des Bankensektors entgangen. Die am Montag bekannt gewordene Schieflage der IKB Deutsche Industriebank hätte sowohl weitere Kreditinstitute als auch die Finanzmärkte in Turbulenzen stürzen können, berichtet die «Süddeutsche Zeitung» am Mittwoch.

Es habe die Gefahr bestanden, dass «alles ins Rutschen gerät», schreibt das Blatt unter Berufung auf informierte Kreise. Die Bundesregierung und die staatliche Finanzaufsicht Bafin vereinbarten daher, dass die Staatsbank KfW bei der Not leidenden Bank einspringt.

Die IKB war durch Fehlspekulationen mit schlecht abgesicherten amerikanischen Hypothekenkrediten in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Das IKB-Institut hätte Ende vergangener Woche praktisch vor dem Aus gestanden, hieß es. Eine Pleite hätte auch die KfW selbst in Mitleidenschaft gezogen. Insidern zufolge drohten der staatlichen Förderbank, die an der IKB mit 38 Prozent beteiligt ist, Ausfälle von bis zu 1,1 Milliarden Euro.

Die Bundesregierung und die staatliche Finanzaufsicht befürchteten zudem, dass die Krise auf weitere Banken überschwappen könnte, hieß es. Einzelne Institute hatten der IKB Kreditrahmen in jeweils dreistelliger Millionenhöhe zur Verfügung gestellt, andere Banken sind selbst auf dem schwächelnden US-Immobilienmarkt tätig. Sie hätte im Falle eines Konkurses der IKB noch größere Schwierigkeiten als ohnehin bekommen. Zudem hätten Einbrüche am Aktienmarkt gedroht.

IKB-Chef zurückgetreten
Um dies zu verhindern, hätten sich das Finanzministerium und die Bankenaufsicht Bafin am Wochenende verständigt, dass die KfW bei der IKB einspringt, hieß es weiter. Die Mitglieder des KfW-Verwaltungsrats wurden demnach am Sonntagnachmittag in einer Telefonkonferenz darüber unterrichtet. An dem Gespräch nahmen auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), Bafin-Chef Jochen Sanio und KfW-Vorstandssprecherin Ingrid Matthäus-Maier teil.

Sanio hatte vor einer «systemischen Krise» gewarnt, sollte die Rettungsaktion ausbleiben. «In Deutschland droht die schlimmste Finanzkrise seit 1931», sagte er nach Informationen aus Teilnehmerkreisen während der Telefonkonferenz. Sanio warnte ausdrücklich vor fürchterlichen volkswirtschaftlichen Effekten durch die Ansteckungsgefahren einer IKB-Pleite, berichtete das «Handelsblatt».

Zuvor hatte die KfW bekannt gegeben, einem US-Fonds eine Liquiditätslinie von 8,1 Milliarden Euro zugesagt zu haben. Die staatliche Bank habe damit alle Rechte und Pflichten der IKB gegenüber dem Fonds übernommen. An dem Kreditpaket beteiligen sich auch private Banken: Dem «Handelsblatt» zufolge übernehmen sie rund 30 Prozent der Liquiditätslinie.

Der von der IKB beratene Fonds Rhineland Funding Capital Corporation (RFCC) hatte in Immobilien-Kredite mit niedriger Bonität investiert, die unter dem Rückgang des US-Immobilienmarktes leiden. Die KfW ist größte Anteilseignerin der Deutschen Industriebank IKB mit Sitz in Düsseldorf.

Am Montag hatte die IKB mitgeteilt, ihr Geschäftsergebnis werde dieses Jahr wegen der US-Hypothekengeschäfte deutlich niedriger als erwartet ausfallen. IKB-Chef Stefan Ortseifen nahm seinen Hut, stattdessen wurden zwei KfW-Manager in den Vorstand berufen. Der Aktienkurs der IKB war zeitweise um mehr als 25 Prozent eingebrochen. (nz/dpa)