netzeitung.dePreisabsprachen bei Lebensmitteln befürchtet

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Milch deutlich im Preis gestiegen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Milch deutlich im Preis gestiegen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auf die sprunghaft gestiegenen Preise für Milchprodukte reagieren Politik und Verbraucherschützer mit Unverständnis. Sie fordern ein Eingreifen der Kartellbehörden und vermuten Preisabsprachen.

Die drastisch gestiegenen Preise für Milch und Molkereiprodukte müssen aus Sicht der CSU voll den Bauern zugute kommen. «Die einzige Rechtfertigung für eine Erhöhung der Milchproduktpreise liegt ausschließlich in einem höheren Milchpreis», sagte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer dem «Münchner Merkur». «Erhöhte Verbraucherpreise müssen deswegen in vollem Umfang bei den Milchbauern ankommen und dürfen nicht irgendwo dazwischen hängen bleiben.»

Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn rief die Verbraucher zu einem genauen Preisvergleich auf. Sie sollten sich gegen hohe Preise wehren. In der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» kritisierte Höhn: «Es ist der Handel, der von den steigenden Preisen profitiert, nicht die Bauern, die nur ein paar Cent mehr erhalten.» Höhn nannte es einen «Irrsinn», hoch subventionierte Produkte in alle Welt zu exportieren.

Auch die Milchindustrie und der Handel geraten immer mehr in die Kritik. Die Verbraucherzentralen vermuten Absprachen hinter den sprunghaft gestiegenen Preisen. «Interessant ist vor allem, dass die ZMP und die Milchindustrie vier Tage vor einer Preiserhöhung Endpreise bis auf den Cent genau ankündigen», sagte der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, den «Stuttgarter Nachrichten». . «Dies riecht nach einem Offenbarungseid für Preisabsprachen und ruft nach den Kartellbehörden.»

Billen räumte in ein, dass höhere Lebensmittelpreise gerechtfertigt sein könnten, wenn damit die Qualität und die Sicherheit der Lebensmittel steige. Die Skandale der vergangenen Jahre hätten gezeigt, «wohin eine Werbepolitik nach dem Motto Top-Qualität zu Schnäppchenpreisen führt». Die jüngsten Preissprünge seien aber kaum nachvollziehbar.

Die Preise für Milchprodukte sind seit Wochenbeginn um bis zu 50 Prozent gestiegen. So verteuerte sich zum Beispiel ein Päckchen Butter von 79 Cent auf 1,19 Euro. Der Milchindustrie-Verband (MVI) hatte am Wochenende zudem angekündigt, dass Quark um 40 Prozent und der Liter Milch um fünf bis zehn Cent teurer werde. Begründet wurde dies unter anderem mit der starken Nachfrage in Asien und der Milchknappheit auf dem Weltmarkt.

Der Deutsche Bauernverband hatte am Dienstag auch höhere Erzeugerpreise für Fleisch gefordert. Momentan bekämen die Landwirte zu wenig für Schweine und für Rinder, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Zugleich seien die Kosten stark gestiegen. Höhere Erzeugerpreise müssten aber nicht zu einer Belastung für die Verbraucher werden, weil die Handelsspannen bei Schweinen und Rindern im Gegensatz zu Milch relativ hoch seien.

Verbraucher müssen auch bei Biomilch mit steigenden Preisen rechnen. Die Bauern könnten die Nachfrage des hiesigen Marktes nicht mehr decken, sagte der Präsident des Anbauverbandes Bioland, Thomas Dosch, dem «Kölner Stadt-Anzeiger». «Der Handel kauft bereits große Milchmengen aus Österreich und Dänemark ein.» Zwar spielten die weltweite Nachfrage bei Biomilch keine Rolle. Verbraucher müssten aber nicht nur bei konventionell erzeugten Milchprodukten mit steigenden Preisen rechnen, sagte Dosch.

Er beklagte, dass Biobauern kaum ihre Kosten decken könnten. Sie bekämen pro Liter 35 bis 40 Cent. Notwendig wären nach seinen Worten fünf bis zehn Cent mehr. «Das wäre aus meiner Sicht eine realistische und notwendige Preiserhöhung. Was der Handel anschließend noch draufschlägt, hat mit den Erzeugerkosten nichts zu tun.»

Dosch zeigte sich überzeugt, dass die Preise für Produkte aus Biomilch nicht so stark steigen werden wie bei Nahrungsmitteln aus der konventionellen Landwirtschaft. Viele Discounter und Supermärkte haben den Preis für Butter am Wochenende bis zu 40 Cent pro Packung erhöht. Auch bei anderen Milchprodukten wird eine Preissteigerung erwartet. (dpa/AP)