Preisabsprachen bei Lebensmitteln befürchtet
01.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Auch die Milchindustrie und der Handel geraten immer mehr in die Kritik. Die Verbraucherzentralen vermuten Absprachen hinter den sprunghaft gestiegenen Preisen. «Interessant ist vor allem, dass die ZMP und die Milchindustrie vier Tage vor einer Preiserhöhung Endpreise bis auf den Cent genau ankündigen», sagte der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, den «Stuttgarter Nachrichten». . «Dies riecht nach einem Offenbarungseid für Preisabsprachen und ruft nach den Kartellbehörden.»
Billen räumte in ein, dass höhere Lebensmittelpreise gerechtfertigt sein könnten, wenn damit die Qualität und die Sicherheit der Lebensmittel steige. Die Skandale der vergangenen Jahre hätten gezeigt, «wohin eine Werbepolitik nach dem Motto Top-Qualität zu Schnäppchenpreisen führt». Die jüngsten Preissprünge seien aber kaum nachvollziehbar.
Verbraucher müssen auch bei Biomilch mit steigenden Preisen rechnen. Die Bauern könnten die Nachfrage des hiesigen Marktes nicht mehr decken, sagte der Präsident des Anbauverbandes Bioland, Thomas Dosch, dem «Kölner Stadt-Anzeiger». «Der Handel kauft bereits große Milchmengen aus Österreich und Dänemark ein.» Zwar spielten die weltweite Nachfrage bei Biomilch keine Rolle. Verbraucher müssten aber nicht nur bei konventionell erzeugten Milchprodukten mit steigenden Preisen rechnen, sagte Dosch.
Er beklagte, dass Biobauern kaum ihre Kosten decken könnten. Sie bekämen pro Liter 35 bis 40 Cent. Notwendig wären nach seinen Worten fünf bis zehn Cent mehr. «Das wäre aus meiner Sicht eine realistische und notwendige Preiserhöhung. Was der Handel anschließend noch draufschlägt, hat mit den Erzeugerkosten nichts zu tun.»
Dosch zeigte sich überzeugt, dass die Preise für Produkte aus Biomilch nicht so stark steigen werden wie bei Nahrungsmitteln aus der konventionellen Landwirtschaft. Viele Discounter und Supermärkte haben den Preis für Butter am Wochenende bis zu 40 Cent pro Packung erhöht. Auch bei anderen Milchprodukten wird eine Preissteigerung erwartet. (dpa/AP)

