DIW hat Horns Rache unterschätzt
Anlass ist die Entscheidung des Bundeswirtschaftsministeriums, von Herbst diesen Jahres an beim DIW keine Konjunkturprognosen in Auftrag zu geben. Das DIW hatte sich in einem Konsortium mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim für die Prognose beworben, die erstmals vom Bund ausgeschrieben wurde. In den vergangenen Jahrzehnten hatte sich das DIW stets an den Prognosen beteiligt.
Gerade an der wirtschaftspolitischen Ausrichtung der Institute stößt sich das DIW: «Mit der Wahl des Wifo und dem IMK ist eine gewisse Präferenz unverkennbar, dass linke, keynesianische Institute einen höheren Stellenwert haben sollen», rügt DIW-Präsident Zimmermann.
Hintergrund ist das Ausscheiden des früheren Chefs der DIW-Konjunkturabteilung, Gustav Horn. Zimmermann stieß sich an Horns grundlegenden wirtschaftspolitischen Überzeugungen und feuerte ihn 2004. Horn gründete daraufhin ein eigenes Forschungsinstitut – das in der Ausschreibung siegreiche und gewerkschaftsnahe IMK in Düsseldorf.
Grund sei außerdem eine seit Jahren über die Medien geführte Abrechnung Horns mit seinem früheren Chef. «Seit Horns Abgang wird über die Medien eine gezielte und geschickt inszenierte Kampagne gegen das DIW gefahren.» Da werde beispielsweise über Personalflucht oder Personalnotstand spekuliert. «Tatsächlich hat es keine Personalflucht gegeben, sondern es sind einige Mitarbeiter mit Horn mitgegangen.» In anderen Fällen hätten Mitarbeiter nach dem Abschluss ihrer Promotion das Haus verlassen, oder ihnen konnte keine Vertragsverlängerung angeboten werden.
«Das sind alles ganz normale Vorgänge. Aber die Medien haben nur selektiv wahrnehmen wollen, was am DIW tatsächlich geschehen ist. Dass beispielsweise das Ifo-Institut personelle Engpässe hat, weil Abteilungsleiter-Positionen derzeit nicht besetzt sind, wird überhaupt nicht wahrgenommen, weil es nicht ins Bild passt.» Zuletzt hatte es mehrfach negative Presseberichte über das DIW gegeben.
Spekulationen, nicht nur Horns unrühmlicher Abgang, sondern allzu forsche Steuergutachten hätten Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) brüskiert und damit zum Verlust des Forschungsauftrags geführt, hält Zimmermann für «unsinnig». «Dass das Finanzministerium uns gebeten hat, außerhalb des Arbeitskreises Steuerschätzung nicht mit eigenen Prognosen an die Medien heranzutreten, ist nichts Ungewöhnliches.»
Anlass war eine Steuerschätzung im April dieses Jahres, die Steinbrück nicht nur missfallen hatte, sondern auch den verantwortlichen DIW-Steuer-Experten Dieter Vesper seinen Job gekostet haben soll. «Wir bekommen Anrufe dieser Art häufig», stellt Zimmermann indes klar. «Daraus nun zu schließen, dass der Finanzminister verärgert bei Glos angerufen hat und sagt 'Gib denen keine Aufträge mehr', ist sehr weit hergeholt.»
