netzeitung.deMassensterben in China durch dreckige Umwelt

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Luftverschmutzung in Peking (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Luftverschmutzung in Peking
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine Weltbank-Studie über Umweltverschmutzung in China wird keine Zahlen zu vorzeitigen Todesfällen enthalten. Offenbar ließ Peking die Daten entfernen - aus Angst vor Unruhen.

Die chinesische Regierung hat offenbar massiv in eine Studie der Weltbank über Verschmutzung in der Volksrepublik eingegriffen. Wie die «Financial Times» unter Berufung auf Weltbankkreise und auf chinesische Beamte berichtete, wurde auf Betreiben der Regierung in Peking rund ein Drittel des Berichts gestrichen – unter anderem Daten, dass in China jährlich 750.000 Menschen wegen der Umweltverschmutzung vorzeitig sterben.
Peking fürchtet «soziale Unruhen»
Dem Zeitungsbericht zufolge baten die staatliche chinesische Umweltschutzbehörde Sepa und das Gesundheitsministerium die Weltbank, diese Informationen aus dem Bericht zu streichen, da Peking fürchtet, solche Daten könnten «soziale Unruhen» auslösen. Die «FT» zitierte aus dem Forschungsteam, die Regierung in Peking habe ihnen erklärt, diese Informationen – zu denen auch eine Karte zählt, auf der man genau sehen kann, welche Landesteile von den Todesfällen am stärksten betroffen ist – seien zu sensibel.

Der Bericht entstand bei der Weltbank in Zusammenarbeit mit chinesischen Ministerien. Ein pensionierter Sepa-Mitarbeiter, der an der Forschung beteiligt war, sagte der Zeitung zufolge, es sei Material aus der Studie entfernt worden, da möglicherweise die angewandte Methodik sei unsicher. Er sagte aber auch, solche Informationen über vorzeitige Todesfälle könnten «Missverständnisse hervorrufen».

Weltbank strich Daten «widerwillig»
Die Studie mit dem Titel «Kosten der Verschmutzung in China» ist noch nicht offiziell erschienen, aber eine Version wurde im März auf einer Konferenz in Peking vorgestellt. Die Sterbeziffern wurden von der Weltbank «widerwillig» aus dem Bericht entfernt, wie Forscher der «FT» erzählten. Sepa und das Pekinger Gesundheitsministerium wollten den Zeitungsbericht nicht kommentieren. Die Weltbank erklärte, die Ergebnisse der Studie würden mit der chinesischen Regierung noch diskutiert.

Laut «FT» fehlt in der Studie, dass jährlich 350.000 bis 400.000 Menschen in chinesischen Städten wegen der hohen Luftverschmutzung vorzeitig sterben. Weitere 300.000 stürben verfrüht wegen schlechter Innenluft. Hinzu rund 60.000 vorzeitige Todesfälle wegen schlechter Wasserqualität vor allem auf dem Land. 16 der 20 am meisten verschmutzten Städte der Welt liegen in China, wie aus einer früheren Studie der Weltbank hervorgeht. (nz)