netzeitung.deStromkonzerne treten Zerschlagung entgegen

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Stromnetze in Deutschland (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Stromnetze in Deutschland
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Betreiber der Stromnetze in den Benelux-Staaten, Deutschland und Frankreich wollen den internationalen Handel ausbauen. Eine gemeinsame Netzgesellschaft soll Brüssel besänftigen.

Stromkonzerne aus Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten Belgien, Niederlande und Luxemburg wollen eine grenzübergreifende Netz-Plattform gründen. Eine entsprechende Absichtserklärung für einen «verbundenen» Markt dieser fünf Länder soll an diesem Mittwoch am Rande des EU-Energieministertreffens in Luxemburg unterzeichnet werden.

Die geplante nord-westeuropäische Plattform «NWE MPP», an der auch Ministerien, Netz- und Regulierungsbehörden, Netzbetreiber sowie Energieverbände mitgewirkt haben, soll nach dpa-Informationen zum 1. Januar 2009 starten. Ziel ist es, die Strommärkte in den fünf Ländern besser zu verzahnen, den täglichen und kurzfristigen Stromhandel zu erleichtern und Kapazitätsengpässe an den jeweiligen Verbindungen zwischen den nationalen Netzen zu vermeiden.

Konzerne wollen Brüssel ausbremsen
Die beteiligten Unternehmen hoffen dem Vernehmen nach, den Bestrebungen der EU-Kommission nach einer Entflechtung der Energieunternehmen entgegenzuwirken. Brüssel will Stromproduktion und Netzbetrieb bei nationalen Firmen eigentumsrechtlich trennen. Aus Sicht der Kommission ist diese Unternehmensstruktur ein Grund für mangelnde Investitionen in Verbindungsstellen grenzüberschreitender Stromnetze und für die Probleme beim Aufbau eines europäischen Energiebinnenmarktes.

Stromunternehmen decken sich heute in der Regel für ein bis zwei Jahre mit Strommengen ein. Um aber auch unmittelbaren Bedarf zu decken, kaufen sie Strom kurzfristig an der Börse zu – von einem auf den nächsten Tag oder auch innerhalb eines Tages – oder erwerben diesen Strom im bilateralen Handel. In Deutschland ist die Leipziger Strombörse EEX in diesem Handel tätig. An Kupplungs- oder Verbindungsstellen der jeweiligen nationalen Netze ins Ausland werden entsprechende Leitungskapazitäten versteigert. Hier gibt es bisher Engpässe.

Netzgesellschaft soll Binnenmarkt stärken
Mit dem gemeinsamen Netzunternehmen versprechen sich die Konzerne, Verbände sowie Regulierungsbehörden einen «großen Schritt» auf dem Weg zur Marktintegration sowie mehr Wettbewerb. Der kurzfristige Erwerb vom Strom aus dem Ausland oder Lieferungen in Nachbarländer sollen damit verbessert werden. Die Plattform sei «ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem gemeinsamen und vollkommen wettbewerbsorientierten europäischen Strommarkt.»

Als ein wichtiger Schritt bei der angestrebten besseren Verzahnung der Stromnetze werden die Einführung eines gemeinsamen Versteigerungsbüros sowie harmonisierte Handelsregeln genannt. Die Absichtserklärung beinhaltet nach dpa-Informationen auch Maßnahmen, um die Versorgungssicherheit in dem gemeinsamen Gebiet zu erhöhen, etwa über ein angemessenes Vorhersagesystem oder Pläne für regionale Lieferkapazitäten. (dpa)