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Lupe Empörung über Pläne für Transrapid im Iran

Waffen und Terroristen könnten mit dem Transrapid befördert werden, fürchtet der Zentralrat der Juden. Die Regierung in Teheran lässt prüfen, ob eine Trasse im Nordosten des Landes machbar ist – als Pilgerstrecke.

Der Iran lässt prüfen, ob eine Transrapid-Strecke von Teheran in die 800 Kilometer entfernte Pilgerstadt Maschhad gebaut werden soll. Das Münchner Ingenieurbüro Schlegel habe den Auftrag für die Machbarkeitsstudie und die Gesamtplanung erhalten, sagte Geschäftsführer Harald Späth am Dienstag. Der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte empört: Es sei «skandalös, Geschäfte mit diesem Regime zu machen», sagte seine Präsidentin Charlotte Knobloch.

Späth teilte mit: «Der Vertrag ist Ende April unterzeichnet worden.» Die iranische Regierung habe 1,5 Milliarden Dollar als Anschubfinanzierung bereitgestellt. Die Schwebebahn solle jährlich bis zu 15 Millionen Pilger vom Großraum Teheran nach Maschhad im Nordosten des Landes bringen. Busse brauchten zwei Tage für die Strecke. Mit dem Transrapid ließe sich die Reisezeit auf zwei bis drei Stunden verkürzen, zitierte ihn die «Süddeutsche Zeitung».

Reiche Investoren sind vorhanden
Iran wolle das Projekt mit staatlichen und privaten Geldern verwirklichen, sagte Späth der Nachrichtenagentur AP. Es gebe viele reiche Investoren im Iran und im Nahen Osten. Einen Bericht des iranischen Senders PressTV, wonach Deutschland 6,7 Milliarden Euro als Kredit mit rund 20 Jahren Laufzeit investieren werde, bezeichnete Späth als Missverständnis. Der deutsche Steuerzahler werde mit dem Projekt nichts zu tun haben.

Die Machbarkeitsstudie werde die technischen und wirtschaftlichen Randbedingungen sowie die voraussichtlichen Kosten für den Bau und den laufenden Betrieb der Magnetbahn-Strecke klären. «In eineinhalb Jahren wissen wir, wie das Projekt realisiert werden kann», sagte Späth. Wenn die Transrapid-Strecke wirklich gebaut werde, sei das Ingenieurbüro auch für die Gesamtplanung zuständig.

Fahren Terroristen Transrapid
Deutsche-Bahn-Vorstandsmitglied Otto Wiesheu, der als bayerischer Wirtschaftsminister 2004 in Teheran Schützenhilfe für das Projekt geleistet hatte, sprach in der «Süddeutschen Zeitung» von einem «interessanten Projekt». Wie aus dem Bericht hervorgeht, hatte er das Geschäft für das Münchener Ingenieursbüro selbst bei einem Besuch in Iran im Mai 2004 angeschoben. Es sei aber noch in einer sehr frühen Phase. Politische Hindernisse sehe er nicht: «Der Transport von Pilgern in Iran ist sicherlich kein Projekt, das politischen Boykottmaßnahmen unterläge.»

Dagegen forderte Zentralratspräsidentin Knobloch: «Keine Geschäfte mit Holocaust-Leugnern.» Mit Blick auf die iranischen Atompläne warnte sie: «Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Deutschland unterwandert den Gedanken des Boykotts und ist ein fatales politisches Signal.» Der Transrapid könne auch Waffen und Terroristen transportieren. «Gerade Deutschland darf demokratisches Verantwortungsbewusstsein nicht gegen Wirtschaftsinteressen eintauschen», mahnte die Zentralratspräsidentin.

Hersteller wollen damit nichts zu tun haben
Der Sprecher des Hersteller-Konsortiums Transrapid International, Peter Wiegelmann, sagte: «Thyssen und Siemens sind nicht involviert.» Weiter gediehen seien die Pläne für die Verlängerung der Magnetbahn-Strecke in Schanghai, da sei das Konsortium zuversichtlich. Wiesheu vertrat die Ansicht, das iranische Projekt könnte hilfreich für die geplante Münchner Strecke sein. «In verschiedenen Ländern werden Transrapid-Projekte diskutiert», sagte Wiesheu. «Die warten alle darauf, dass in Deutschland endlich etwas vorwärts geht.» Das Ingenieurbüro Regierungsbaumeister Schlegel GmbH war unter anderem an der Planung von ICE-Strecken sowie der Flughäfen München und Berlin beteiligt. (AP)