25. Apr 2007 07:47, ergänzt 10:33
Bioethanol vertieft die Kluft zwischen Arm und Reich, glaubt Fidel Castro. Während der Westen mit gutem Gewissen tankt, leidet die Dritte Welt unter hohen Preisen für Lebensmittel.
berichtet.
Die US-Behörden subventionieren die Produktion nach Schätzung von Experten jährlich mit etwa 5,5 bis 7,5 Milliarden Dollar. Die dadurch enorm gestiegene Nachfrage nach Mais hat die Weltmarktpreise in den vergangenen Monaten um fast 60 Prozent nach oben getrieben. «Natürlich sind die Getreidepreise dadurch kräftig gestiegen. Sie entwickeln sich ja schon fast parallel zum Ölpreis», räumt Boles ein. Die hohen Preise hatten Anfang des Jahres Hunderttausende Mexikaner auf die Straße getrieben, um gegen die gewaltige Verteuerung von Tortillas zu protestieren: Die dünnen Fladen aus Maismehl und Wasser gelten in Mexiko als Grundnahrungsmittel.Abseits aller ideologischer Grabenkämpfe ist die Kritik aus Kuba und Venezuela nach Ansicht von Janet Larson von der US-Umweltorganisation Earth Policy Institute nicht ganz von der Hand zu weisen. «Wenn die hohe Nachfrage die Preise für Lebensmittel rund um den Globus steigen lässt, dann sind die mittel- und südamerikanischen Länder davon am härtesten betroffen. Die Produktion von Mais-Ethanol noch weiter zu subventionieren, könnte ein schwerer außenpolitischer Fehler sein», warnt sie.
Doch die Attacken des venezolanischen Staatschefs Chavez gegen die Ethanol-Produktion dürften noch andere Gründe haben: Bush hatte bei seinem Besuch in Brasilien mit Amtskollege Lula den Aufbau einer Allianz zur Förderung von Biotreibstoffen vereinbart. Die USA wollen 20 Prozent ihres Benzinverbrauchs durch alternative Brennstoffe ersetzen.So dürfte sich der Führer der neuen bolivarianischen Revolution wohl auch um die Öl-Einnahmen seines Landes sorgen: Venezuela ist fünftgrößtes Opec-Mitglied und die USA zählen zu seinen größten Öl-Kunden. Kein Wunder, dass Chavez Bush drängt sein Vorhaben aufzugeben. Ethanol könne niemals Ersatz für Erdöl sein, beharrte Chavez auf dem ersten südamerikanischen Energiegipfel auf der venezolanischen Insel Margarita in der vergangenen Woche.
Zugleich schwächte Chavez seine harsche Kritik gegenüber Brasilien etwas ab: «Wir haben immer gesagt, dass die 30-jährige Ethanol-Produktion in Brasilien etwas ganz anderes ist als der Wahnsinn, den US-Präsident Bush vorgeschlagen hat. Es ist das komplette Gegenteil.» Ein Energie-Experte der Universität Miami wertet den Rückzieher von Chavez nicht nur als diplomatischen Sieg für Brasilien: «Der größte Verlierer ist Castro, der seinen Einfluss in der Region eingebüßt hat.»