netzeitung.deWettlauf um die beste Konjunktur-Prognose

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Die deutsche Wirtschaft brummt (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Die deutsche Wirtschaft brummt
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wer hat die höchste Prognose? Die Wirtschaftsforscher überbieten sich derzeit mit Schätzungen zur deutschen Konjunktur. Alle haben zumindest eins gemeinsam: Es geht weiter aufwärts.

Die deutsche Wirtschaft wird auch in diesem und im kommenden Jahr kräftig wachsen – da sind die Wirtschafts-Experten in Deutschland einig. Die Anfang des Jahres um drei Prozentpunkte angehobene Mehrwertsteuer dämpfte die gute Stimmung bei den Unternehmen – und zunehmend auch bei den Verbrauchern – nicht nachhaltig.

Fast wöchentlich veröffentlichen deutsche und internationale Forschungs-Institute ihre Prognose zur weiteren Entwicklung. Am optimistischsten sind dabei die Experten des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Sie gehen als einzige davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr sogar stärker zulegen wird als 2006.
IWF am pessimistischsten
Der Aufschwung bleibe auch in diesem Jahr «kräftig», urteilen die Kieler Experten und prognostizieren ein Wachstum von 2,8 Prozent. Der Anstieg läge damit nur leicht unter dem Boomjahr 2000. Mit der Euphorie der New Economy im Rücken legte die Wirtschaft damals um 3,2 Prozent zu.

Am pessimistischsten wird die Entwicklung in Deutschland vom Internationalen Währungsfond (IWF) gesehen. Die Organisation geht davon aus, dass es 2007 lediglich zu einem BIP-Plus von 1,8 Prozent kommen wird. Aber auch dann würde das Wachstum weit über den Werten vergangener Jahre liegen.

Die Rahmenbedingungen in Deutschland werden von allen Volkswirten positiv bewertet: Die Unternehmen erwirtschaften hohe Gewinne, die langfristigen Zinsen sind trotz der leicht restriktiven Geldpolitik der EZB niedrig und auch der seit Jahren brachliegende private Konsum kommt langsam auf die Beine. So rechnet das Hamburgische Weltwirtschaftsarchiv damit, dass private Konsumausgaben 2008 um 1,5 Prozent zulegen werden.

Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) kann sich freuen: Die Steuer-Einnahmen steigen kräftig. In den kommenden vier Jahren kann der Minister mit bis zu 30 Milliarden Euro zusätzlich rechnen. Die Sozialversicherungen erwirtschaftete außerdem im vergangenen Jahr einen Überschuss von 20,5 Milliarden Euro.

Arbeitslosenzahl geht kräftig zurück
Die gute Entwicklung schlägt sich auch am Arbeitsmarkt nieder – wenngleich die Zahlen hier doch etwas näher betrachtet werden müssen. Die HWWI-Experten rechnen mit zusätzlich 500.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen – 2008 sollen im Jahresdurchschnitt nur noch 3,45 Millionen Menschen offiziell Arbeitslos gemeldet sein.

Inwieweit hinter dem Rückgang wirklich eine erfolgreiche Jobsuche stehen wird, ist jedoch nur schwierig zu beurteilen. So erhielten im März 2007 insgesamt 6,5 Millionen Menschen in Deutschland staatliche Leistungen in Form von Arbeitslosengeld I und II. Viele davon sind aber gar nicht arbeitslos: Nur ihr Lohn reicht nicht aus, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Zudem werden Ein-Euro-Jobber und andere nicht mehr in der Statistik als arbeitslos geführt. (nz)