10. Apr 2007 11:27
Der geplante Klima-Pass für Pkw trägt auch den deutschen Autoherstellern Rechnung. Kritiker monieren, dass ein größerer Kofferraum einen höheren CO2-Ausstoß rechtfertigen soll.
«Auf der oberen Skala ist der CO2-Ausstoß ablesbar. Grün heißt sehr wenig CO2, gelb bedeutet mittel und rot weist auf einen sehr hohen CO2-Wert hin», erläuterte der Minister. Auf der zweiten Skala soll der CO2-Nutzwert erkennbar sein, bei dem wir die maximale Zuladung mit in Betracht ziehen. Nach Ansicht von Tiefensee trägt dies zu «mehr Transparenz als Grundlage für vernünftige Kaufentscheidungen» bei.Gerade die zweite Angabe stößt bei der Umwelthilfe jedoch auf massive Kritik: Luxus-Geländewagen wie der Landrover Freelander, Porsche Cayenne und BMW X5 schnitten im Bewertungsschema von Tiefensee besser ab als Kleinwagen wie der Ford Ka oder Smart, monieren die Umweltschützer. Sie haben errechnet, dass mit einem Landrover vier Kilogramm pro ausgestoßenem Gramm CO2 und gefahrenem Kilometer transportiert werden - mit einem Ford Ka dagegen nur zwei.
Sie werfen deshalb Tiefensee vor, Pkw mit extrem hohem Verbrauch «weiterhin unter besonderen Schutz» stellen zu wollen. Die umstrittensten Klimakiller erhielten so das Prädikat besonders umweltfreundlich. «Eine deutsche Klimapolitik findet nicht statt», kritisierte Geschäftsführer Jürgen Resch und wirft dem SPD-Politiker «systematische Volksverdummung» vor. Die Umwelthilfe sprach sich für eine Kennzeichnung der Energieeffizienz nach Fahrzeuggröße aus.
Die Wirtschaft begrüßte hingegen Tiefensees Vorstoß: «Damit wird endlich eine seit langem erhobene Forderung des ADAC aufgegriffen», sagte ADAC-Präsident Peter Meyer. Die derzeit existierenden Zahlenangaben zum Kohlendioxid-Ausstoß seien für die Verbraucher nur wenig aussagekräftig. «Die Verbraucher müssen auf einen Blick erkennen können, ob ein Auto hinsichtlich seiner CO2- Emissionen gut oder schlecht ist.» In Staaten wie Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden würden Autos bereits nach Effizienzklassen gekennzeichnet.
Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) reagierte verhalten positiv: Eine CO2-Kennzeichnung solle dem Kunden Informationen geben, die die unterschiedliche Nutzung von Fahrzeugen berücksichtigten, so der Verband. Dazu gehörten zum Beispiel auch Fahrzeugabmessungen oder das Gewicht.Angesichts der laufenden Verfahren in Brüssel sei es jedoch wichtiger, auf eine EU-Regelung hinzuarbeiten als jetzt noch nationale Systeme für eine möglicherweise kurze Dauer zu entwickeln, fügte der Verband einschränkend hinzu. (nz)