RWE-Meiler spaltet Große Koalition
Beide seien «zur Einschätzung gekommen, dass eine Übertragung von Strommengen des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich auf Biblis A möglich gewesen wäre». Steg empfahl RWE, im Falle einer endgültigen Ablehnung die Verwaltungsgerichte anzurufen.
Dass Kanzleramt und Wirtschaftsministerium die Übertragung für möglich halten, ist jedoch erstaunlich, sieht doch der Atomkonsens ausdrücklich vor, dass die Reststrommengen von Mülheim-Kärlich auf die Meiler Emsland oder neuere Anlagen, auf Grundremmingen B oder C sowie maximal 20 Prozent auf Biblis A übertragen werden können. Biblis A ging jedoch 1974 ans Netz, Emsland 1988 eine Übertragung dürfte damit ausgeschlossen sein. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kommt deshalb zu dem Schluss, dass das von RWE zitierte Rechtsgutachten «rechtsfehlerhaft und abwegig» sei.
Dass derzeit nichts darauf hindeutet, die SPD könne von ihrem Nein zur Atomkraft und von den entsprechenden Vereinbarungen im Koalitionsvertrag abrücken davon will das Unternehmen offenbar nichts wissen. Gabriel und die SPD pochen vielmehr auf den Koalitionsvertrag, in dem - zum Verdruss der Union - der Atomkonsens eindeutig bestätigt wurde.
Angesichts der aktuellen Debatte über den Klimawandel, warnt RWE deshalb, Deutschland werde die ehrgeizigen klimapolitischen Ziele der EU nicht erreichen, wenn es auf Kernkraft verzichtet. Der Appell richtet sich in erster Linie an die SPD, der damit eine Brücke gebaut werden soll, um vom Atomausstieg elegant abrücken zu können. Außerdem würden die Strompreise steigen, wenn das Angebot durch die Abschaltung von Atomkraftwerken verknappt wird dass Deutschland unterm Strich Strom exportiert und nicht importiert, verschweigt RWE.
Sigmar Gabriel ficht das ohnehin nicht an. Er will mit einem konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien die Atomkraft letztlich überflüssig machen und den Befürwortern der Atomenergie die Argumente rauben. Mit der verbindlichen Einigung der EU-Staaten, den Anteil der Erneuerbaren am Energiebedarf bis 2020 von derzeit gut sechs auf 20 Prozent zu steigern, ist er dem einen Schritt näher gekommen.

