05. Mrz 2007 11:56
Weniger Verbrauch gleich geringere Kosten: Umweltminister Gabriel will den Deutschen das Fliegen nicht «vermiesen» – sondern Industrie- Interessen angreifen.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will die Fluggesellschaften zu mehr Klimaschutz zwingen – was letztlich dem Kunden geringere Preise bringen könnte, wie der Minister im ZDF-«Morgenmagazin» argumentierte. «Es geht nicht darum, den Leuten die Flugreisen zu vermiesen», sagte Gabriel. Dennoch beharrt er darauf, auch den Flugverkehr in den Emissionshandel einzubeziehen: Dann nämlich würden die Fluggesellschaften vieles verändern «was heute unnötige Flüge bedeutet», argumentierte der Minister. «Die Fluggesellschaften sollen merken, dass unnötige Flüge sie Geld kosten.»Außerdem würden die Anbieter den Druck auf die Flugzeughersteller weitergeben, damit diese nicht nur spritsparendere Modelle entwickeln, sondern auch den Einsatz von Biokraftstoffen im Flugverkehr ermöglichen. Dazu müsse aus seiner Sicht aber die Steuerbefreiung von Flugbenzin abgeschafft werden, sagte Gabriel – auch wenn der Minister nach wie vor eine gesamteuropäische Regelung dafür abwarten will.
Der dadurch angeregte geringere Verbrauch beim Fliegen sei letztlich positiv für die Passagiere, meinte Gabriel: Klimaschutzmaßnahmen dürften nicht verteufelt werden, «weil wir ständig glauben, alles müsse dem Verbraucher schaden», sagte er. Im Gegenteil: «Wenn die Autos weniger Benzin verbrauchen, weniger CO2 emittieren, sparen Sie Geld an der Tankstelle.» Beim Klimaschutz gehe es nicht nur um Verhaltensänderungen beim Konsumenten, sondern vielmehr darum, sich mit den Lobbyinteressen der Industrie auseinander zu setzen.
Gabriel schaltete sich damit in die am Wochenende verschärfte Debatte um Maßnahmen gegen den drohenden Klimawandel ein. Angesichts der bevorstehenden Tourismusmesse ITB in Berlin hatten unter anderem Klimaforscher gefordert, die Deutschen sollten künftig lieber im eigenen Land Urlaub machen, statt Fernreisen zu buchen: «Sylt statt Seychellen», sagte Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte unterdessen für die deutsche Ratspräsidentschaft einen Aktionsplan für Klimaschutz und Energiepolitik an, den es «so konkret» noch nie in der Geschichte der EU gegeben habe. Nach Medienberichten sieht der Entwurf vor, dass die Industrienationen bis 2050 zwischen 60 und 80 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen. Die Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedsstaaten treffen sich Mitte dieser Woche in Brüssel zum Frühjahrsgipfel.
In der «Frankfurter Rundschau» forderte Gabriels Amtsvorgänger Klaus Töpfer (CDU) indes nicht nur, dass Flüge künftig mehr kosten müssten. Er sagte dem Blatt auch, bei der Besteuerung von Kerosin und der Einbeziehung von Airlines in den Emissionshandel solle die EU «im Alleingang vorangehen». Europa müsse «die Führerschaft übernehmen», weil eine globale Lösung zu lange dauere, argumentierte der frühere Direktor des UN-Umweltprogramms Unep. Töpfer bevorzugt dabei nicht nur die Besteuerung von Kerosin, sondern auch eine staatlich verordnete Abgabe zusätzlich zum Ticketpreis, die Klimaschutzmaßnahmen zu Gute kommen soll – während viele Politiker hierzulande zu einer freiwilligen Zahlung an solche Projekte raten.Die Reisebranche ist derweil möglicherweise schon weiter als erwartet: ITB-Direktor Martin Buch ließ sich von der Nachrichtenagentur AP mit den Worten zitieren, auch er rechne damit, dass künftig viele Deutsche ihre Ferien lieber im Heimatland verbringen würden, anstatt lange Flugreisen zu buchen: «Heute ist rauchen nicht mehr schick, und in wenigen Jahren wird es in weiten Kreisen nicht mehr schick sein, während seines Urlaubs die Umwelt mit zu viel CO2 zu verpesten», sagte Buck. (nz)