Umzug der EZB kostet 500 Millionen Euro
20.02.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt hat am Dienstag die endgültigen Pläne für ihr neues Domizil vorgestellt: Ihre Zinsentscheidungen werden die Mitglieder des EZB- Rates ab 2012 über einer historischen Markthalle zwischen hängenden Gärten mit spektakulärem Skyline-Blick treffen. Beheizt wird das neue Gebäude mit der Abwärme aus dem integrierten Rechenzentrum. Bis zum letzten Tag hatten Stadt, Denkmalschützer, Architekten und Bank um die Details des 500 Millionen teuren Projekts gerungen.
Er habe sich an drei Gestaltungsprinzipien orientiert, sagte der Architekt Wolf Prix vom Wiener Büro Coop Himmelb(l)au: «Transparenz, Effizienz und Stabilität». Den ursprünglich geplanten flachen «Groundscraper» hat Coop Himmelb(l)au inzwischen gestrichen. Die mehrfache Überarbeitung des Siegerentwurfs begründete Prix pragmatisch: «Ein Wettbewerb wird nie so gebaut, wie er gewonnen wird.»
Diskussionen in der Stadt hatte allerdings weniger der Neubau am Mainufer ausgelöst, als vielmehr die Frage, wie Coop Himmelb(l)au mit der denkmalgeschützten Großmarkthalle aus den 30er Jahren umgeht. Erst an diesem Montag hatte das hessische Landesdenkmalamt die aktuellen Pläne der EZB abgesegnet. Demnach dürfen zwei niedrigere Anbauten an den Seiten der Großmarkthalle jetzt doch abgerissen werden.
Die von Martin Elsaesser gebaute Halle wird nach dem Umbau von einem stählernen Querriegel durchbohrt, der als Eingang dient. Prix hat diesen «Pfeil» zuletzt weiter nach Westen verschoben, damit er den nach dem Krieg wiederaufgebauten Teil der Halle durchstößt und nicht die originalen Bauteile. Das geplante spitz vorragende Dach des Eingangs wurde gekappt.
Das Sicherheitskonzept der EZB verzichtet auf eine Mauer oder einen Zaun um das Gelände. «Wir wollten keine Festung», sagte das für den Neubau zuständige EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Samghi. Stattdessen sollen «natürliche Barrieren» wie Gräben, Hügel, Poller oder der natürliche «Sumpf» des Ufers Eindringlinge abhalten. Das Mainufer entlang der neuen EZB soll für Spaziergänger zugänglich bleiben.
Die EZB will im Oktober dieses Jahres den Bauantrag stellen, die Arbeiten sollen im Frühjahr 2008 beginnen und bis 2011 abgeschlossen sein. 2012 sollen die derzeit 1300 EZB- Mitarbeiter, die auf drei verschiedene Gebäuden in der Innenstadt verteilt sind, in den Osten der Stadt umziehen. Der Bau bietet 2300 Mitarbeitern Platz. (dpa)

