Koalition kommt Lösung im Kohle-Streit nahe
Am Sonntagabend hatten Bund und Länder einen Durchbruch in den Verhandlungen über einen Ausstieg aus der subventionierten Steinkohle-Förderung erzielt. Eine endgültige Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen, aber schon in den nächsten Tagen könnte es soweit sein, wie die Bundesregierung und die Bergbau-Länder Nordrhein-Westfalen und Saarland am Sonntagabend in Berlin mitteilten.
Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) nannte diese Revisionsklausel akzeptabel. Ursprünglich bestanden die Sozialdemokraten kategorisch auf einem zeitlich unbefristeten Sockelbergbau mit einer jährlichen Förderung von sechs bis acht Millionen Tonnen Kohle. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte hingegen, die Revisionsklausel im Jahr 2012 sei eine «Gesichtswahrungsmaßnahme für die SPD, die sich da verrannt hatte».
Derzeit fördern in Deutschland noch rund 34.000 Kumpel in acht Zechen etwa 25 Millionen Tonnen Steinkohle im Jahr. Eingeplant sind in diesem Jahr 2,5 Milliarden Euro staatlicher Subventionen. Glos sagte, Deutschland könne sich eine «Dauersubvention» einer Förderung von sehr tief liegender und daher sehr teurer Kohle auf die Dauer nicht leisten. Die dort gebundenen volkswirtschaftlichen Ressourcen sollten besser in modernere Techniken wie Erneuerbare Energien gesteckt werden.
Steinkohle sei nicht mehr wettbewerbsfähig, sagte die DIW- Energieexpertin Claudia Kemfert der Nachrichtenagentur dpa. «Die deutsche Steinkohle kostet zirka 150 Euro pro Tonne, auf dem Weltmarkt kann eine Tonne zu einem Preis von 50 Euro bezogen werden.»
Debattiert wird ein Modell, bei dem Teile des RAG-Konzerns an die Börse gebracht werden - und zwar alle Sparten, die nichts mit dem Bergbau zu tun haben, also etwa Spezialchemie- und Immobiliengeschäft. Finanzminister Steinbrück sagte, die Runde am Sonntagabend sei sich einig gewesen, dass dem Unternehmen der geplante Börsengang ermöglicht werden müsse.
Übereinstimmung habe auch über das so genannte Stiftungsmodell geherrscht, sagte Steinbrück. Diese Stiftung soll nach Vorstellungen der RAG mit den Erlösen aus dem Börsengang von fünf bis sechs Milliarden Euro ausgestattet werden, um die Folgeschäden des Bergbaus in den nächsten Jahrzehnten zu finanzieren. Sie wäre dann auch Eigentümer des verbliebenen Steinkohle-Geschäfts. (nz)

