18. Dez 2006 21:22
Bundeskanzlerin Merkel will mit staatlichen Mitteln deutsche IT-Technologie fördern. Die Branche müsse sich jedoch einer Erfolgskontrolle unterziehen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die klassischen Industrien stärker mit der IT-Branche zu vernetzen und in der Gesellschaft eine «Freudigkeit an Innovationen» zu wecken. Dennoch dürften die bis 2009 zusätzlich geplanten sechs Milliarden Euro des Bundes für Forschung und Entwicklung «nicht mit der Gießkanne» verteilt werden, sagte Merkel auf dem so genannten IT-Gipfel am Montag in Potsdam.Das Geld müsse «strategisch vernünftig» ausgegeben werden. Mit einem Anteil von 6,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt bewegt sich die IT-Branche nach Merkels Angaben auf dem Niveau der Auto- und Chemieindustrie, die die «klassischen Stärken» der deutschen Wirtschaft seien. Die Branchen müssten miteinander vernetzt werden. «Ohne die IT-Branche werden die klassischen Stärken der Bundesrepublik Deutschland keine Stärken bleiben, sondern sie werden zurückfallen.»
Neben der Kanzlerin und Bundesministern waren Vorstandschefs der Software-, Internet- und Telekommunikationsbranche ins Potsdamer Hasso-Plattner- Institut gekommen. In einem Jahr will Merkel eine Bilanz des Gipfels ziehen. «Wir prüfen nach. Sie bleiben unter Beobachtung», sagte sie mit Blick auf die Branchenvertreter.In ihrer Abschlusserklärung sprachen sich die Teilnehmer der High-Tech-Konferenz für mehr Mut zu visionären Projekten aus. Deutschland müsse eine Aufholjagd starten und sich auf seine Stärken konzentrieren. Gleichzeitig monierten Wirtschaftsvertreter den Fachkräftemangel in der IT-Branche. Deutschland müsse den Arbeitsmarkt für gut ausgebildete Ausländer öffnen. Zudem sei eine bessere Schulbildung nötig. Der Branche fehlen nach eigenen Angaben bis zu 12.000 Experten.
Vor dem IT-Gipfel hatte die Kanzlerin gefordert, «Made in Germany» müsse auch für IT-Produkte wieder ein Gütesiegel werden. «Die Revolution der Informations- und Kommunikationstechnologie ist noch längst nicht an ihrem Ende.» Deutschland müsse stärker daran teilhaben, damit zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen könnten. Zudem müssten die rechtlichen Bedingungen «stimmig» sein. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) betonte, ein High-Tech- Standort Deutschland sei Schlüssel zu Wachstum und Arbeitsplätzen. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) forderte, dass «die Segnungen der IT für eine erfolgreichere Verwaltung» genutzt werden sollen. Bis 2012 sollten Wirtschaft und Verwaltung nur noch elektronisch miteinander kommunizieren. Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte kündigte eine neuartige Suchmaschine für das Internet mit Namen «Theseus» an. Deutschland werde diese allein entwickeln.