Koalition uneinig über Klimaziele für Airlines
Damit distanzierte sich Glos von einer Ankündigung seines Kabinettskollegen, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Dieser hatte zuvor gesagt, die Bundesregierung wolle entsprechende Pläne während ihrer EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 voranbringen.
Zum einen sei völlig offen, ob dies nach internationalem Recht überhaupt durchsetzbar sei, so Glos. Zum anderen würden dann europäische Drehkreuze im Wettbewerb um den internationalen Flugverkehr geschwächt. Daher drohten sowohl «wirtschaftspolitisch untragbare Wettbewerbsverzerrungen», als auch «umweltpolitisch kontraproduktive Ausweichreaktionen» hin zu Airlines, die nicht unter ein erweitertes Klimaschutzregime fallen, argumentierte der Wirtschaftsminister.
Kemfert widersprach damit einer zentralen Forderung der Grünen, die die Flugbenzinsteuer am Wochenende in ihrem CO2- Abbauprogramm beschlossen hatten. Dem «Handelsblatt» zufolge sehen die Pläne von EU-Kommissar Stavros Dimas vor, dass alle Airlines von 2011 an für Flüge innerhalb Europas sowie für Interkontinentalflüge, die in der EU starten oder landen, CO2-Zertifikate vorlegen müssen. Wie bei der Industrie sollen die Flugunternehmen mit einer bestimmten Zahl von Rechten ausstaffiert werden. Reichen sie wegen hoher Abgaswerte nicht aus, müssen Zertifikate zugekauft werden, die den Flug verteuern. Die Kommission rechne damit, dass ein Langstreckenflug um rund neun Euro teurer werde, hieß es.
Die EU-Behörde wolle sich am Kohlendioxid-Ausstoß der Jahre 2004 bis 2006 orientieren. Dies dürfte wegen der starken Zunahme des Luftverkehrs bedeuten, dass viele Airlines zusätzliche CO2-Rechte erwerben müssen.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) äußerte sich dagegen deutlich zurückhaltender. «Es ist noch völlig offen, ob der Luftverkehr sinnvoll in den Emissionshandel einbezogen werden kann», heiße es in einer Stellungnahme von Glos, die dem «Handelsblatt» vorliegt, heißt es in der Mittwochausgabe. Zum einen sei völlig offen, ob dies nach internationalem Recht überhaupt durchsetzbar sei, argumentiere Glos. Zum anderen würden dann europäische Drehkreuze im Wettbewerb um den internationalen Flugverkehr geschwächt.
Nach Aussage der DIW-Expertin Kemfert «bestehen gute Chancen, dass Deutschland in der Zeit der EU-Präsidentschaft diesen Vorschlag auch in die Tat umsetzen kann. Zwar machen die Flugzeug-Emissionen weltweit nur 3 Prozent des CO2-Ausstoßes aus, Prognosen zufolge wird sich dieser Beitrag bis 2020 jedoch verdoppeln.» Richtiger wäre, den Emissionshandel weltweit einzuführen, da es sich um einen globalen Markt handele und Europäische Airlines sonst Wettbewerbsnachteile hätten, sagte Kemfert. Das Emissionshandelssystem müsse umfassend für Interkontinentalflüge, innereuropäische und inländische Flüge gelten. (nz)

