«Alter Wein in neuen Schläuchen»
Aber der Reihe nach: Im Oktober 2005 wurde bekannt, dass ein Unternehmer aus Süddeutschland tonnenweise Schlachtabfälle aus der Schweiz importiert und mit anderen Etiketten als Nahrungsmittel in den Handel gebracht hatte. Kurz darauf wurde auch bei einem Fleischhändler in Gelsenkirchen tonnenweise Gammelfleisch gefunden.
Und auf die eigene Politik gemünzt: «Wir machen im Fleischskandal sehr konsequent Verbraucherschutz.» Unterstützung erhielt der Minister von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) höchstpersönlich, die eine «Null-Toleranz»-Strategie ankündigte. Ein zentraler Punkt Seehofers war schon damals eine «länderübergreifende Qualitätskontrolle».
Viel passiert ist seitdem nicht: In der aktuellen Einigung mit den Länderministern wird jetzt davon gesprochen, dass sich ein länderübergreifendes Qualitätsmanagement «in der Umsetzung» befinde. Wann die bundeseinheitlichen Standards eingeführt werden sollen, bleibt unklar.
Zwischen November 2005 und September 2006 wurden jedoch gleich mehrere weitere Fleischskandale aufgedeckt: Im Januar 2006 startete das bayerische Verbraucherschutzministerium eine Rückrufaktion von ungenießbarem Wildfleisch. Untersuchungen zufolge hatten Fleischproben der Firma in Passau «ranzig, stickig, muffig oder sauer» gerochen. Hinzu kommt der jüngste Skandal um das Ekelfleisch eines Münchener Fleischhändlers der sich mittlerweile erhängt hat.
Im Oktober vergangenen Jahres kündigte der Minister Seehofer an, «zur Verbesserung der Ermittlung (...) Schwerpunkt-Ermittlungsbehörden in den Ländern zu bilden». Eingerichtet wurden sie bisher aber nicht, die Forderung ist auch Bestandteil der Einigung zwischen Bund und Ländern rund ein Jahr später.
Entsprechend groß ist die Enttäuschung bei der Opposition: «Die gleiche Farce wie heute haben wir bereits nach dem letzten Gammelfleischskandal erlebt», sagt Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Michael Goldmann spricht von «alter Wein in neuen Schläuchen». «Das ist ein klarer Fall von Umetikettierung», sagt er.
Für das Web ediert von Marcus Gatzke

