netzeitung.deBayern verteidigt Vorgehen bei Ekelfleisch

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Fleischkontrollen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fleischkontrollen
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Die Bezirksregierung Oberbayern hat eingeräumt, schon im Dezember 2005 von falschen Etiketten im Fleischskandal gewusst zu haben. Verdächtig fand sie die Sache damals aber nicht.

Die bayerischen Behörden wollen im Fleischskandal keine Fehler begangen haben. Das zuständige Amt wurde zwar bereits im Dezember 2005 über falsche Etiketten auf der Ware des Münchener Großhändlers Georg Bruner informiert, wie die Bezirksregierung in Oberbayern im Mittwoch zugab.

Der Großhändler habe jedoch bei einem Kontrollbesuch am 8. Dezember ein Schriftstück eines italienischen Lieferanten vorgelegt, dass die Ware bereits in Italien von dem Zulieferer auf Grund eines Fehlers falsch ausgezeichnet worden sei, verteidigte sich die Behörde.

Prüfung läuft
Allein die Vorlage des Schriftstückes reichte offenbar aus, um die Bedenken zu zerstreuen: «Es gab also zum damaligen Zeitpunkt keinen Hinweis auf Manipulationen durch die Firma Bruner», heißt es von der Bezirksregierung.

Keine Angaben machte die Behörde zu Vorwürfen, sie habe im Februar nicht auf eine neuerliche Mitteilung der Stadt Mannheim reagiert. Die Stadt hatte damals angegeben, dass es sich bei sichergestelltem Fleisch nicht nur um falsch etikettiertes, sondern zudem um gesundheitsgefährdendes Gammelfleisch gehandelt habe. «Die Regierung prüft zurzeit gründlich, ob Versäumnisse vorliegen», hieß es von der bayerischen Behörde lediglich.

Hauptbeschuldigter erhängt sich
Unterdessen hat sich der Hauptbeschuldigte im Gammelfleischskandal, der Münchner Großhändler Georg Bruner, am Mittwoch das Leben genommen. Der 74-jährige habe sich im Keller seines Münchner Wohnhauses erhängt und keinen Abschiedsbrief hinterlassen, teilte die Polizei mit. In Bruners Tiefkühlhallen hatten Kontrolleure bisher weit über 60 Tonnen ungenießbares Fleisch sichergestellt.

Der Betrieb hat tonnenweise Dönerspieße zum Teil kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aufgekauft, teilweise jahrelang gelagert, aufgetaut, wieder eingefroren und bundesweit an fast 2500 Kunden weiterverkauft. Wie erst nach dem Freitod des 74-Jährigen bekannt wurde, stand zudem dessen Münchner Firma kurz vor der Pleite.

Rücktritt Schnappaufs gefordert
Auch der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf verteidigte das Vorgehen der Behörden in mehreren Fernsehinterviews: «Nach der ersten Überprüfung durch die Regierung von Oberbayern zeigt sich, dass gerade der Fall Mannheim schnell und korrekt aufgeklärt worden ist», sagte der CSU-Politiker. «Die Fehletikettierung erfolgte nicht beim Münchner Händler, sondern bereits in Italien.»

Unterdessen kamen nicht nur erneut von der bayerischen Landtagsopposition, sondern erstmals auch aus der CSU Forderungen nach einem Rücktritt des Ministers. Der CSU-Landtagsabgeordnete Sebastian von Rotenhan sagte der «Süddeutschen Zeitung», für ihn sei es eine Frage der politischen Kultur, dass Schnappauf die Verantwortung übernehme.

«Der dritte Gammelfleischskandal in einem Jahr, da wird es Zeit, zum Ministerpräsidenten zu gehen und seinen Rücktritt anzubieten.» In Bayern seien schon Minister wegen «kleinerer Vergehen» aus dem Kabinett geflogen, zitierte die Zeitung den CSU-Politiker. (nz)