FDP wirft Seehofer «Versagen» vor
06.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Hintergrund sind Unstimmigkeiten darüber, wann das Ministerium erstmals von dem Skandal erfahren hat. Laut Verbraucher-Staatssekretär Gert Lindemann hat Seehofers Behörde erste Informationen schon am 25. August über die Medien erhalten.
Für die FDP hat Seehofer damit «leichtfertig mit der Gesundheit der Verbraucher gespielt». Der Minister könne «seine Hände nicht in Unschuld waschen», sagte Goldmann. Er hätte «ohne Rücksicht auf seine Parteifreunde die Öffentlichkeit informieren müssen».
Seehofer bekräftigte am Mittwoch seine Forderung nach einer Reform der Lebensmittelkontrollen: «Ich werde nicht ruhen, bevor das nicht erfüllt ist», sagte er in Berlin. Seehofer strebt eine Koordination der Länderkontrollen auf Bundesebene und einheitliche Standards an. «Ich bin da zuversichtlich», sagte er. Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) hatte seinen Widerstand gegen bundeseinheitliche Standards am Dienstag aufgegeben.
Im Februar 2006 hatten die Behörden in Mannheim nach eigenen Angaben die oberste Landesbehörde in Oberbayern über Gammelfleischlieferungen des Münchener Händlers informiert. Bei einem Mannheimer Zwischenhändler sei bei einer Routinekontrolle im Dezember falsch etikettiertes Fleisch aus München gefunden worden, hieß es zunächst.
Die Verbraucherminister von Bund und Ländern treffen sich an diesem Donnerstag zu einer Sondersitzung in Berlin. Sie hatten sich bereits im Frühjahr für bessere Lebensmittelkontrollen ausgesprochen. Mehrere Länder, darunter Rheinland-Pfalz, lehnen einheitliche Standards ab. Seehofer appellierte an die Länder: «Wir brauchen eine gemeinsame Strategie wie bei der Vogelgrippe.» Der Minister sprach sich auch für Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften aus. «Das stößt nicht auf Widerstand bei den Ländern», sagte er. (nz)

