23.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Freileitungsmasten in der Nähe eines Umspannwerkes bei Schwerin
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Auch die Energiewirtschaft freut sich nicht über die steigenden Strompreise, sagt Verbandsvertreter Meller. Die Konzerne würden ihre Marktmacht jedoch nicht missbrauchen, weil sie «streng geprüft» werden.
Die Stromversorger wehren sich gegen den Vorwurf der Preistreiberei. Niemand freue sich über höhere Strompreise «auch ich nicht», sagte Eberhard Meller, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), der Netzeitung. Es gebe jedoch Fakten, die niemand wegdiskutieren könne etwa hohe Rohstoffpreise. «Deutschland ist keine Insel, sondern fest eingebunden in die Entwicklung an den internationalen Märkten», betonte Meller.
Er verwies darauf, dass der Großhandelspreis für Strom an allen Börsen in Europa gestiegen sei. Zudem werde der Strompreis hierzulande von Länderministerien und Kartellbehörden «im Wettbewerb streng geprüft». Deshalb gebe es auch «keinen Missbrauch», betonte Meller und führte als Grund für die gestiegenen Preise erneut die Erhöhung der Mehrwertsteuer Anfang 2007 an.
Glos: Schmerzgrenze erreichtMeller reagierte damit auf die Ankündigung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), die Energieversorger zu einem Stopp der Preiserhöhungen bewegen zu wollen. Die Schmerzgrenze für Verbraucher und Industrie sei erreicht, hatte Glos am Dienstag betont. Meller bezeichnete die derzeitige Diskussion als unsachlich: Sie sei «sehr emotional» geführt, warf der VDEW-Vertreter Glos und mehreren Länderministern vor, die angedeutet hatten, beantragte Strompreiserhöhungen für 2007 nicht zu genehmigen.
Medienberichten zufolge wollen die Stromkonzerne die Preise im Schnitt zwischen fünf und sieben Prozent erhöhen. Zugleich sind die Gewinne vieler Unternehmen aber kräftig gestiegen. So verdiente Eon
in den ersten sechs Monaten des Jahres 4,8 Milliarden Euro und damit 13 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Verbraucher «abzocken»Trotz des Gewinns strebt auch der Düsseldorfer Konzern Preiserhöhungen für Endkunden an. Andererseits bietet der Konzern 29 Milliarden Euro den spanischen Konkurrenten Endesa. Für Meller ist das Verhalten des Konzerns nachvollziehbar. «Die deutschen Unternehmen müssen sich im internationalen Wettbewerb behaupten», sagte er. «Dazu gehört selbstverständlich auch das Engagement im Ausland.»
Mit Blick auf die Milliardengewinne hatte Ex-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) den Unternehmen der Branche vorgeworfen, sie würden «ihre Marktmacht missbrauchen». Ziel der Konzerne sei es, «die Verbraucher abzuzocken», sagte er der Netzeitung.
Genehmigungspflicht verlängernEs sei kaum nachzuvollziehen, dass Verbraucher draufzahlen müssten, sagte auch Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der «Berliner Zeitung».
Sie forderte, Genehmigungspflichten für Strompreise länger als bisher geplant beizubehalten. Bis Mitte 2007 müssen Preiserhöhungen von den Ländern genehmigt werden. Dann können die Unternehmen frei agieren. Ab diesem Zeitpunkt unterliegen sie lediglich der Preisaufsicht durch das Bundeskartellamt.
Frankreich und Schweiz viel billiger«In Deutschland können alle Stromkunden ihren Lieferanten frei wählen», gab Meller zu bedenken. Dennoch: Einer aktuellen Untersuchung des Energie Informationsdienst (EID) zufolge gehören die Strompreise in Deutschland bereits zu den höchsten in Europa.
Demnach zahlte ein durchschnittlicher Privathaushalt hierzulande im Juli 19,83 Cent je Kilowattstunde. In Frankreich und der Schweiz koste Strom für Haushalte dagegen durchschnittlich gut 12 Cent je Kilowattstunde. Nur in Dänemark, Italien und den Niederlanden sei der Strom teurer als in Deutschland, hieß es.
«Deutlich weniger» gestiegenHingegen sieht der VDEW die deutschen Preise nur im europäischen Mittelfeld. «Der Unterschied ist einfach zu erklären», sagte Meller. «Grundlage unseres Vergleiches waren die Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat). Dieses Amt berechnete die Werte mit Kaufkraftstandards für die 25 EU-Mitgliedsstaaten. Der Hamburger Informationsdienst hat dagegen nur die Werte der zwölf westeuropäischen Länder verglichen.»
Es sei «logisch, dass so unterschiedliche Betrachtungen ganz unterschiedliche Ergebnisse bringen», erläuterte Meller. Fest stehe jedoch, dass die Strompreise in Deutschland im vergangenen Jahr «deutlich weniger» gestiegen seien als in anderen europäischen Staaten.
Für das Web ediert von Simon Frost