21. Aug 2006 19:27
Nach Kritik aus dem Kanzleramt hat Steinbrück im Streit um seinen Vorschlag, die Deutschen sollten für die Altersvorsorge beim Urlaub sparen, Fehler eingeräumt. Aber etwas «mediterrane Leichtfüßigkeit» würde gut tun.
Er bedauerte zugleich, dass solche Diskussionen in Deutschland zu schnell abgewürgt würden. Politiker hätten häufig nicht den Mut, sich diesen Debatten zu stellen. Steinbrück sprach von «inszenierten Aufgeregtheiten». Er wolle nicht über den Urlaub der Bürger entscheiden. «Etwas mehr gesunder Menschenverstand, skandinavischer Pragmatismus und mediterrane Leichtfüßigkeit würden solchen Debatten in Deutschland ganz gut tun.»Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Vorstoß des Ministers zuvor kritisiert. Es sei «nicht so günstig», wenn Politiker den Bürgern in Privatangelegenheiten Ratschläge gäben. Grundsätzlich und inhaltlich stimme sie mit Steinbrück allerdings überein. Die Aufwendungen des Einzelnen für die Altersvorsorge werden steigen, betonte die Kanzlerin. Es sei «wichtig und richtig», dass insbesondere Jüngere mehr Verantwortung für ihre Altersvorsorge übernähmen.
Auch in den eigenen Reihen sorgt die Aufforderung Steinbrücks für Verärgerung. SPD-Chef Kurt Beck habe in der Präsidiumssitzung seiner Partei am Montag in Schwerin mitgeteilt, dass nach den Äußerungen des Finanzministers 650 Genossen aus Protest ihr Parteibuch zurückgegeben haben, wie der Tagesspiegel berichtete.Zudem habe Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringsdorff, der sich am 17. September zur Wiederwahl stellen muss, Steinbrücks Vorstoß ebenfalls als «nicht hilfreich» kritisiert.
Steinbrück hatte in einem Interview gesagt, die Deutschen müssen künftig mehr Geld für Alter und Gesundheit ausgeben. «Das heißt, wir müssen im Zweifel auf eine Urlaubsreise verzichten, um für später vorzusorgen.» (nz)