Kritik an Steinbrücks Sparideen
18.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, sagte der «Neuen Rhein- Zeitung» vom Freitag: «Wenn Herr Steinbrück die gut verdienenden Unternehmen gerechter besteuern würde, könnte er sich solche Ideen sparen. Das Problem in Deutschland ist nicht der Urlaub, den Millionen ohnehin nicht antreten können, sondern Politiker, die den Menschen ihren Urlaub nicht gönnen.»
Thea Dückert, Vize-Chefin der Grünen-Fraktion im Bundestag, sagte dem Blatt, Steinbrück habe wohl die «Orientierung verloren». Er male ein «Schreckgespenst»»an die Wand. Private Vorsorge sei aber keine Frage des Konsumverzichts, sondern der Lebensplanung.
Das DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki warf Steinbrück ein «merkwürdiges Politikverständnis» vor. Er sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung», schon jetzt würden Millionen Deutsche unfreiwillig auf Urlaub verzichten, weil ihnen dazu das Geld fehle. Die Bundesregierung greife den Bürgern durch höhere Mehrwertsteuer sowie steigende Beiträge für Rente und Gesundheit tief in die Taschen. Das treffe vor allem Geringverdiener, die jetzt auch noch wegen der Kosten der sozialen Absicherung auf Urlaub verzichten sollten.
Doch einigen Kritikern Steinbrücks gehen die Vorschläge nicht weit genug. Der CSU-Wirtschaftsexperte Hans Michelbach sprach sich in der «Bild» dafür aus, Urlaubstage zu streichen statt auf Urlaubsreisen zu verzichten. Das würde die Wirtschaft von Kosten entlasten und Arbeitsplätze sicherer machen, argumentierte er. Ein sicherer Arbeitsplatz sei «die beste soziale Vorsorge».
Auch der Chef des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, regte in der «Bild» an, den tariflichen Urlaubsanspruch zu kürzen: «Tatsache ist, dass die Deutschen im Vergleich zu anderen einen sehr hohen Urlaubsanspruch haben. Ein Verzicht auf einige Urlaubstage wäre ein gutes Signal für das anziehende Wachstum», sagte er. (nz)

