Zuvor hatten bereits Politiker aller Parteien die angestrebte Doppelfunktion des CDU-Politikers kritisiert. Zuletzt forderte Bundestagsvize Susanne Kastner (SPD) Röttgen auf, bei seinem Wechsel zum BDI das Abgeordnetenmandat niederzulegen. Beide Jobs gleichzeitig auszuüben, «passt nicht zusammen», sagte sie der Netzeitung. Röttgen hatte bis zuletzt aber auch Zustimmung erfahren: «Wir hatten auch schon eine ganze Reihe von Gewerkschaftsvertretern, darunter auch Funktionäre, die gleichzeitig ihrer Tätigkeit als Mandatsträger nachgegangen sind. Das wird immer vergessen», sagte CSU-Bundestagsvize Gerda Hasselfeldt.Die Antikorruptions-Organisation Transparency International (TI) sah in Röttgens Plänen einen «klaren Interessenkonflikt». Im Abgeordnetengesetz stehe, dass die Ausübung des Mandats im Mittelpunkt der Tätigkeit eines Bundestagsmitglieds zu stehen hat, sagte TI-Vorstandsmitglied Jochen Bäumel der «Sächsischen Zeitung».
Der Göttinger Politikwissenschaftler Peter Lösche glaubt gar, dass Röttgen mit seiner geplanten Doppelrolle sowohl dem BDI wie auch der CDU geschadet hätte. Der Fall fördere zudem die allgemeine Politikverdrossenheit, sagte Lösche der «Stuttgarter Zeitung». Es sei «höchst problematisch», wenn ein führender Industriefunktionär oder ein Gewerkschaftsvorsitzender gleichzeitig im Parlament sitzt: «Sauber wäre es, wenn man das eine oder das andere macht.» (nz)