Union streitet über Elterngeld:
Union streitet über Elterngeld
Überdies warnte sie die Kritiker des Elterngeldes vor weiterem Streit. «Deutschland ist Schlusslicht in Europa bei der Geburtenrate. Es ist höchste Zeit, dass wir jungen Menschen, die sich für Kinder entscheiden, den Rücken stärken.» So sei es außerdem im Koalitionsvertrag vereinbart worden, erinnerte von der Leyen.
Einwände der Sozialdemokraten, es sei sozial ungerecht, das Elterngeld vom Einkommen abhängig zu machen, wies von der Leyen ebenfalls zurück. »Geringverdiener profitieren doch in besonderer Weise. Sie können die Zweidrittel-Förderung ausschöpfen, ohne an eine Obergrenze zu stoßen.«
Vor allem die Vätermonate stoßen auf Kritik in den Unionsparteien. Es könne nicht sein, dass das Elterngeld nur dann gezahlt werde, wenn auch die Väter zwei Monate aus ihrem Job ausstiegen, sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder. »Der Staat sollte nicht vorschreiben, von wem die Kinder erzogen werden. Das sollten die Eltern selbst entscheiden«, riet der CSU-Politiker und regte ein Bonus-System als Kompromiss an: Demnach solle das Elterngeld unabhängig vom Anteil des Mannes an der Kindeserziehung volle zwölf Monate gezahlt werden. »Ein 13. Partnerschaftsmonat könnte dann gewissermaßen als Bonus obendrauf kommen.«
Kein Verständnis für die Kritik an den Elterngeld-Plänen haben die Frauen in der Union: »Die Ministerpräsidenten haben sich offenbar noch nicht wirklich in das Thema Elterngeld hineingedacht«, sagte die stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende im Bundestag, Ilse Falk, der »Berliner Zeitung«. Die Äußerungen der Ministerpräsidenten hätten viel mit »nicht reflektierten Vorurteilen zu tun«. Allerdings räumte sie ein, es gebe Väter, »die einen kleinen Schubs bekommen sollten«. Auch die Vorsitzende der Unionsfrauen im Bundestag hält die Vätermonate für eine gute Idee. »Es geht nicht um Einmischung, sondern um vernünftige Rahmenbedingungen des Staates für Familien«, stellte sie klar.
Um das zu verhindern, plant die Ministerin dem »Spiegel« zufolge bereits einen Kompromiss: So solle das Elterngeld mindestens 300 Euro betragen, die unabhängig von der Erziehungsleistung der Väter gezahlt werden. Um die Linke in der SPD zu besänftigen, sollen die 300 Euro als Sockelbetrag zusätzlich zu anderen Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld II gezahlt werden. Die bisherigen Pläne sehen hingegen vor, dass das Elterngeld verrechnet wird.
Außerdem will von der Leyen mehrfachen Müttern das Elterngeld auch dann zahlen, wenn sie schon lange vor der Geburt aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Vom ursprünglichen Ziel, Berufstätigen die Familienplanung zu erleichtern, würde sich von der Leyen damit zwar entfernen allerdings hofft sie, damit den konservativen Flügel in der Union zu überzeugen.
Für das Web ediert von Markus Scheffler

