netzeitung.deUnion fürchtet höhere Preise nach Atomausstieg

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Atomkraftwerk Neckarwestheim: Meiler sollen länger am Netz bleiben (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Atomkraftwerk Neckarwestheim: Meiler sollen länger am Netz bleiben
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In den Gesprächen über die künftige Energiepolitik muss die Bezahlbarkeit von Strompreisen garantiert werden, fordert Saarlands Wirtschaftsminister Georgi. In der Netzeitung klagt er über grüne Ideologien.

Von Markus Scheffler

Der saarländische Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU) will die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke verlängern. «Das Abschalten von Atommeilern bedeutet eine künstliche Verknappung von Energie bei steigender Nachfrage», sagte der Minister im Gespräch mit der Netzeitung. «Das muss zu weiteren Preissteigerungen führen», warnte Georgi. Für den Neubau von Atommeilern plädiere er zwar nicht, vielmehr fordert er «eine Entschleunigung beim geplanten Ausstieg».

Den Grünen warf er vor, aus ideologischen Gründen die ökonomische Bedeutung der Energiepreise und die Versorgungssicherheit außer Acht zu lassen. «Deshalb müssen wir jetzt die Fehler der alten Regierung korrigieren und den wirtschaftlichen Aspekt und die Versorgungssicherheit betonen.» Die Einnahmen der Ökosteuer zur Senkung von Lohnnebenkosten zu verwenden, sei zwar falsch, aber angesichts der Löcher in den Haushalten nicht mehr rückgängig zu machen.

Durchleitungsentgelte zu hoch
Allerdings räumte Georgi auch ein, dass nicht allein staatliche Abgaben die Energiepreise in die Höhe trieben: Auch überhöhte Netznutzungsentgelte, mangelnder Wettbewerb und ein intransparenter Stromhandel sorgten für die im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohen Energiepreise. Die jüngste Ankündigung der Energieversorger, Handelsdaten ihrer Geschäfte an der Leipziger Strombörse offenzulegen, begrüßte der Politiker zwar. «Ob das reicht, hängt von der Qualität der Daten ab.»

Den Handel mit Verschmutzungsrechten hält Georgi in der jetzigen Form für eine Fehlkonstruktion. «Der Emissionshandel ist gut gemeint, funktioniert aber entweder global oder gar nicht», stellte der Wirtschaftsminister fest. Wer am bestehenden System festhalten wolle, müsse auch fordern, dass andere Staaten sich daran beteiligen.

Sollte hierüber keine globale Einigung möglich sein, hält er ein Aussetzen des Handels für angebracht. Um Wettbewerbsnachteile für deutsche Produktionsstandorte zu vermeiden, sollten die Unternehmen dann «mindestens genauso viele Zertifikate bekommen, wie im ersten Nationalen Allokationsplan. Eher sogar mehr».
«Ökonomische Vernunft wird sich durchsetzen»
Außerdem will Georgi die Förderung der Erneuerbaren Energien noch einmal überdenken. Die rot-grüne Bundesregierung habe die Ökostromproduzenten einseitig bevorzugt. «Es müssen mehr marktwirtschaftliche Instrumente geschaffen werden, die verhindern, dass eine Branche dauerhaft auf Subventionen angewiesen ist», forderte der Minister.

Anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält Georgi die Schaffung einer europäischen Regulierungsbehörde für die Energiebranche für erforderlich. «Langfristig ist ein europäischer Energiemarkt ohne einen EU-Regulator nicht vorstellbar.» Zwar stoße er damit auf Widerstand auch in den eigenen Reihen, «aber ökonomischer Vernunft wird sich aller Erfahrung nach früher oder später durchsetzen.»