netzeitung.deÖkonomen werten «Unwort» positiv

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Rudolf Hickel (l.) und Hans-Werner Sinn (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Rudolf Hickel (l.) und Hans-Werner Sinn
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Zwischen Ifo-Chef Sinn und dem linken Ökonom Hickel gibt es nur selten Einigkeit - außer bei der Bewertung des «Unwortes» 2005. Allerdings führen sie ganz unterschiedliche Gründe an.

Überraschend einig zeigen sich die wirtschaftwissenschaftlichen Gegenpole beim neuen «Unwort des Jahres» 2005: Sowohl der als neoliberal geltende Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, als auch der linke Chef des Instituts für Arbeit und Wirtschaft (IAB) an der Universität Bremen halten «Entlassungsproduktivität» für eine gute Wahl – wenn auch aus gänzlich unterschiedlichen Gründen.
Sinn: «Überhöhte Lohnsteigerungen»
Für Ifo-Chef Sinn ist die Wahl deshalb richtig, weil mit der «Entlassungsproduktivität» deutlich gemacht werde, dass die Lohnsteigerungen in Deutschland in der Vergangenheit viel zu hoch gewesen seien. «Es handelt sich dabei um die Zunahme der gemessenen Arbeitsproduktivität, die dadurch hervorgerufen wird, dass überhöhte Lohnsteigerungen die relativ unproduktiven Arbeitsplätze vernichten und nur die produktiveren übrig lassen», schreibt Sinn in einem Kurzkommentar, den die Netzeitung dokumentiert.

Die Gewerkschaften berücksichtigten diesen Faktor in ihren Lohnforderungen nicht: « Es kommt zu einer Teufelsspirale, die in eine Massenarbeitslosigkeit münden kann», warnt Sinn.

Hickel: «Wissenschaftlich nicht haltbar»
Sein Bremer Gegenpart Hickel, Mitglied der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, verweist auf den «Zynismus» der in dem Begriff durchscheine, wenn er ausdrückt, «dass durch Entlassungen auch noch die Arbeitsproduktivität steigen soll. Der dabei unterstellte ökonomische Zusammenhang ist jedoch nicht haltbar» – weder theoretisch noch empirisch.

Die Produktivität werde eben nicht durch Entlassungen wegen zu hoher Löhne vorangetrieben: «Maßgeblich ist die Umsetzung technologischer, aber auch sozialer Innovationen in der Produktion. Und da ist Deutschland, wie die Exporterfolge zeigen, gut.» (nz)