netzeitung.deBinnenkonjunktur wird zum Wachstumsträger

 Herausgeber: netzeitung.de

Deutsche Wirtschaft wächst wieder deutlich (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Deutsche Wirtschaft wächst wieder deutlich
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auch das DIW hat seine Wachstumsprognose deutlich nach oben revidiert. Hauptgrund ist die sich erholende Binnennachfrage in Deutschland - aber schon 2007 droht wieder ein Einbruch.

Zumindest in 2006 wird sich das Investitionsprogramm der Bundesregierung positiv auf das Wachstum in Deutschland auswirken. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet im laufenden Jahr ein Wachstum von 1,7 Prozent – 0,2 Prozentpunkte mehr als bisher. Für 2005 wurde die Wachstumsprognose von 0,9 auf 1,1 Prozent angehoben, wie das Institut am Dienstag in Berlin mitteilte. Damit reiht sich das DIW in die Vielzahl von Instituten ein, die in den vergangenen Wochen ihre Wachstumsprognosen deutlich nach oben revidiert haben.

Neben dem schon bekannten Wachstumstreiber Export wird in diesem Jahr auch die Binnenkonjunktur merklich anziehen. «Die Maßnahmen der neuen Bundesregierung zur Belebung der Konjunktur wirken sich 2006 positiv auf Konsum und Investitionen aus», erläuterte das DIW.

Mehrwertsteuer zieht Wachstum nach unten
«Fast die Hälfte des BIP-Wachstums wird von der inländischen Nachfrage getragen.» Die Bundesregierung will die Konjunktur unter anderem mit besseren Abschreibungs-Möglichkeiten für Unternehmen und einem Investitionsprogramm stützen.

In den vergangenen Jahren sind Investitionen und privater Konsum deutlich zurückgegangen. Das DIW erwartet jetzt, dass die Anlageinvestitionen 2006 um 2,5 Prozent zulegen werden. Beim Konsum gehen die Experten von einem Zuwachs um 0,3 Prozent aus.

Das relativ hohe Wachstum wird sich aber schon 2007 wieder deutlich verringern. Für das kommende Jahr rechnet das Institut mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von nur noch 1,2 Prozent. Beim Konsum geht das DIW von einem Rückgang um 0,1 Prozentpunkte aus. Hauptursache: die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte auf dann 19 Prozent. In der Bauindustrie würden die Investitionen nach einem leichten Wachstum in 2006 zudem wieder sinken, hieß es.

2007 droht Wachstums-Lethargie
«Die bisherigen Maßnahmen der neuen Bundesregierung führen trotz günstiger internationaler Rahmenbedingungen nur zu einer leichten Belebung der Konjunktur im Jahre 2006, die aber ab dem nächsten Jahr wieder in Lethargie zu versinken droht», so die Experten vom DIW. «Die konjunkturelle Entwicklung bleibt weiterhin fragil und nicht gewappnet für Rückschläge aus dem internationalen Umfeld.» Das DIW fordert deshalb «ein schlüssiges, kräftiges Strukturprogramm, das im Laufe dieses Jahres umgesetzt werden kann».

Die Volkswirte warnen in diesem Zusammenhang auch vor zu viel Optimismus: «So bescheiden diese Erwartungen auch sind, das internationale Umfeld wird nicht auf Dauer so günstig bleiben», betont das Institut. Als Risikofaktoren nennen die Experten unter anderem einen neuerlichen Anstieg des Ölpreises, eine Aufwertung des Euro und einen möglichen Crash am amerikanischen Immobilienmarkt.

Positiv bewertet das DIW die Anstrengungen der Bundesregierung zur Konsolidierung des Haushalts: Für 2007 prognostiziert das Institut ein Staatsdefizit von 1,9 Prozent gemessen am BIP. Deutschland würde dann erstmals den Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt einhalten. In diesem Jahr soll die Defizitquote auf drei Prozent sinken. Für 2005 wird eine Quote von rund vier Prozent erwartet. (nz)